Frauen verlieren ihre Fruchtbarkeit in den Wechseljahren, um Generationenkonflikte zu vermeiden: Wären nämlich Frauen bis ins hohe Alter fortpflanzungsfähig, so stünden sie bald mit ihren eigenen Töchtern beim Versorgen von Kindern in Konkurrenz um begrenzte Ressourcen. Bei der Entwicklung des Menschen hat sich daher die Zeitspanne der Fortpflanzungsfähigkeit von der Lebensspanne abgekoppelt. Damit seien Überleben und Fortentwicklung der Kleingruppen von Menschen in der Steinzeit am besten zu sichern gewesen, schließen Forscher um Michael Cant von der Universität in Exeter aus in einer Modellrechnung.
Forscher fragen sich schon lange, welchen biologischen Sinn es hat, dass Frauen noch lange nach dem Verlust der Fortpflanzungfähigkeit weiterleben. Aus dem Tierreich ist bekannt, dass Fortpflanzungsfähigkeit eng mit der Lebensspanne verknüpft ist. Die vorherrschende “Großmutter”-Hypothese besagt, dass ältere Frauen beim Großziehen ihrer Enkel mithelfen und damit die Überlebenschancen ihrer Nachkommen erhöhen. Andere Studien weisen aber darauf hin, dass Großmütter insgesamt einen größeren Fortpflanzungserfolg hätten, wenn sie fleißig weiter Kinder gebären würden.
Es muss also andere Mechanismen geben, die die Spanne der Fortpflanzungsfähigkeit von der Lebensspanne entkoppelt, vermuteten die Forscher um Cant. In einem Modell berechneten sie, wie sich die Sozialstruktur der steinzeitlichen Kleingruppen und die Verteilung von begrenzten Ressourcen wie etwa Nahrungsmitteln auf die Fortpflanzung ausgewirkt haben könnten. Sie fanden heraus, dass es günstiger ist, wenn aufeinanderfolgende Müttergenerationen den Konflikt um diese Ressourcen für ihren Nachwuchs vermeiden. Der fruchtbare Zeitraum von Frauen, der von der ersten zur letzten Geburt im Mittel zwischen 19 und 38 Jahren liegt, überlappt daher bei Frauen zweier Generationen kaum noch, während es bei Menschenaffen deutliche Überschneidungen gibt.
Die Großmutter-Hypothese behalte aber dennoch einen Teil ihrer Berechtigung, erklären die Forscher. Während die Menopause dazu beitrage, Generationenkonflikte zu vermeiden, so verhelfen die Großmütter den Nachkömmlingen zusätzlich zu besseren Überlebenschancen.
Michael Cant (Universität Exeter) et al.: PNAS, DOI: 10.1073/pnas.0711911105 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





