Tattoos als Körperschmuck sind bis heute weit verbreitet. Bereits vor rund 5000 Jahren entwickelten Menschen diese permanente Körperbemalung, die in Kulturen weltweit vorkam, von Europa über Asien bis Südamerika. Doch wie unterschieden sich die damaligen Motive von den heutigen Tattoo-Designs? Und welche Bedeutung hatten sie für ihre Träger? Aufschluss darüber können unter anderem Mumien geben, auf deren Haut die Tätowierungen zumindest teils erhalten geblieben sind. So wissen wir heute beispielsweise, dass die berühmte Gletschermumie Ötzi tätowiert war. Aber wie entwickelte sich die Tradition in anderen Kontinenten und welchen Stellenwert nahm sie ein?
Laser macht verblasste Tattoos der Chancay sichtbar
Um das herauszufinden, hat ein Team um Thomas Kaye von der Foundation for Scientific Advancement in Arizona nun die Haut von über 100 Mumien näher untersucht, die in Peru gefunden wurden. Diese Personen gehörten zur sogenannten Chancay-Kultur, die vor rund 1200 Jahren – vor der Eroberung Südamerikas durch Kolumbus Zeitgenossen – an der Küste Perus lebten. Bekannt ist diese Kultur für ihre mit ästhetischen Mustern verzierten Textilien. „Die Chancay waren ein kleiner Staat, der Güter in Massen produzieren konnte und Handelsbeziehungen mit regionalen Kulturen aufbaute, die später vom Inkareich absorbiert wurden“, erklärt das Team.
Die Archäologen nutzten erstmals Laser statt Infrarotlicht, um die Haut der Mumien zum Leuchten zu bringen. Durch das Licht fluoresziert die umgebende reine Haut, nicht jedoch die einst mit schwarzer Tinte eingestochenen Tattoos. Diese Schatten sind selbst dort sichtbar, wo die Tinte mit der Zeit und im Zuge der Mumifizierung verblasst ist. Die so erstellten kontrastreichen Fotos der Mumien enthüllen nun neue Details über die Tätowierungen der Chancay.

Tätowierungen waren komplexer als gedacht
Demnach ließen sich die Menschen damals teils komplexe geometrische Muster oder Naturbilder stechen. Die Linien waren bei manchen Mumien nur 0,1 bis 0,2 Millimeter breit und wurden wahrscheinlich mit einer feinen Nadel aus Kaktusstacheln oder aus geschärften Tierknochen gestochen, berichten die Forschenden. Heutige Standard-Tätowiernadeln sind 0,35 Millimeter breit. Die Tattoos der Chancay waren dadurch oft feingliedriger als moderne Tätowierungen und zudem präziser als die Muster, die die Chancay auf ihrer Keramik, Textilien und Felsen hinterließen. Zwar waren die meisten untersuchten Tattoos simpel und gewöhnlich, einige jedoch fantasievoll und raffiniert gestaltet. Das legt nahe, dass die Tätowierer ihre Kunstwerke teils mit erheblichem Aufwand erstellten. „Jeder Tintenpunkt wurde mit großer Geschicklichkeit von Hand platziert“, so das Team.





