Erektiles Gewebe war bisher nur bei Säugetieren bekannt. Die bekanntesten Beispiele sind Penis und Klitoris. Jetzt haben US-Biologen um Joseph Thompson von der University of North Carolina in Chapel Hill erstmals bei einem wirbellosen Weichtier erektiles Gewebe gefunden: beim Octopus bimaculoides. Die Forscher hatten den etwa 90 Zentimeter langen Kraken, der vor allem im Meer bei Kalifornien vorkommt, im Labor während eines erfolglosen Paarungsversuchs beobachtet. Dabei hatten sie festgestellt, dass sich das nur wenige Millimeter große Fortpflanzungs- organ des Tieres – eine Art Arm – vergrößerte. Anschließende histologische Untersuchungen zeigten Erstaunliches: Das Fortpflanzungsorgan von Octopus bimaculoides wies Ähnlichkeiten mit dem erektilen Gewebe von Säugetieren auf, zum Beispiel mit Schwellkörpern, die von zahlreichen Blutgefäßen durchzogen sind. Thompson ist der Ansicht, dass die Erektionsfähigkeit des Kraken„penis” einen Kompromiss darstellt. Da das Fortpflanzungsorgan weiß ist, zieht es in geschrumpftem Zustand kaum die Aufmerksamkeit möglicher Fressfeinde des Octopus auf sich. Bei der Suche nach einem Weibchen zur Paarung zahlt sich dann die Größe aus.
Hans Groth





