Grundschüler, die ihre Klassenkameraden oft schikanieren, sind in der Regel nicht nur größer und stärker. Offenbar verfügen die Kampfhähne zudem über eine besonders gute Gesundheit und sind ihren Opfern auch mental überlegen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler um Dieter Wolke von der University of Hertfordshire. Von ihren Untersuchungen berichten die Forscher in der Fachzeitschrift Archives of Disease in Childhood (Ausg. 85, Nr. 3, S.197).
Danach leiden die Opfer der aggressiven Mitschüler deutlich öfter als ihre Widersacher unter Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen sowie unter psychosomatischen Störungen wie etwa Appetitlosigkeit oder Angst.
Die Wissenschaftler hatten über 1.600 Kinder aus 31 Grundschulen befragt, welche Rolle sie in der Schulgemeinschaft haben. Die Eltern der Probanden gaben Auskunft über gesundheitliche und seelische Probleme ihrer Kinder. Danach litten knapp vierzig Prozent der Kinder unter Schikanen durch ihre Altersgenossen. Jedes zehnte Kind stuften die Forscher als Opfer und Täter ein. Nur vier Prozent der Probanden waren eindeutig den Raufbolden zuzuordnen.
Die Psychologen um Wolke appellieren nun an Eltern und Lehrer, bei gesundheitlich und psychisch schwachen Kindern zu prüfen, ob Schikanen durch Schulkameraden ein Grund für die Beschwerden sein könnten. Sie empfehlen zudem, die im Grunde positiven körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Schulrüpel in positive Bahnen zu lenken. So könnte ihnen in bestimmten Bereichen Verantwortung für ihre Mitschüler übertragen und ihre sportlichen Aktivitäten gefördert werden.
Andrea Hoferichter





