
Tierisch verliebt
„Und wie machen es die Tiere?“, diese Frage bekam die Bonner Sexualpädagogin Katharina von der Gathen häufig zu hören, wenn sie mit Kindern über ihr Aufklärungsbuch „Klär mich auf!“ sprach. Es gibt Antworten auf 101 echte Kinderfragen rund um das aufregende Thema Sex. Da van der Gathen kaum Antworten parat hatte, begann sie nachzuforschen. Das Ergebnis ihrer Recherche fällt überwältigend bunt und üppig aus. Ein Kompendium über das Liebesleben der Tiere, das kein Blatt vor den Mund nimmt, unverkrampft und dazu noch ziemlich witzig daherkommt, was zum großen Teil der Frankfurter Illustratorin Anke Kuhl und ihren ulkigen Bildern und Kommentaren geschuldet ist. Kurz ließe sich das Motto dieses kunstvoll gestalteten Buchs so zusammenfassen: Es gibt nichts, was es nicht gibt. „Schwule“ Delfine, drei Meter lange Penisse (Blauwal), Vielzitzenmäuse („Heißt wirklich so!“) mit 24 Zitzen, Tiere, die bis zu 40-mal am Tag Sex haben (Löwen), aufeinanderliegende Weibchen, die ihre Geschlechtsöffnungen aneinanderdrücken, was beim unteren Weibchen den Impuls auslöst, Eier zu produzieren (Rennechsen). In drei umfangreichen Kapiteln (Verführungskünste, Paarung, Nachwuchs) erfahren wir zudem jede Menge über die Wesensart unterschiedlichster Tiere in Sachen Liebe. Ein tabu‧loses Buch, das es ganz schön toll, wild und bunt treibt. Einfach zum Verlieben.
Geflecht der Natur
Anekdotenreich veranschaulicht dieses Buch ein häufig wiederkehrendes Reaktionsmuster. Wenn Menschen versuchen, ein Problem zu lösen, richten sie meist erst recht großes Unheil an. Denn was sie dabei allzu oft vergessen: Die Welt, die sie umgibt, ist ein komplexes Geflecht. Greift der Mensch ein, löst er eine Kettenreaktion aus, meist mit unabsehbaren Folgen. 18 skurrile und gründlich recherchierte Geschichten hat der italienische Ökologe und Insektenforscher Gianumberto Accinelli zusammengetragen. Sie alle entspinnen unterhaltsam und lehrreich zugleich wunderbar verworrene Netzwerke der fein ausbalancierten Ökosysteme unserer Erde. Ein gelungenes Buch, das Kinder zum Staunen bringen, aber auch Empörung hervorrufen dürfte – über die Dummheit der Menschen.
Kleine Wimmelwelten
Dieses Buch mag so manches Kind zunächst ein wenig Überwindung kosten: Wer möchte schon wissen, wo es vom Menschen weitestgehend unbemerkt kreucht und fleucht, wimmelt und wuselt von kleinen Krabbeltieren? Doch sobald die Nase zwischen den kräftigen, bunten und großformatigen Klappseiten steckt, mag man sie gar nicht mehr herausnehmen. Mit wissenschaftlicher Präzision, detaillierten Beschreibungen und ansprechenden Illustrationen taucht der Leser ein in zehn verborgene Mikrowelten. In der Bettdecke sprießt ein Urwald kleinster Pilze, riesige Herden von Milben machen sich auf die Suche nach Hautschuppen, doch ihre friedliche Mahlzeit wird alsbald von schrecklichen Räubern, Getreideraubmilben, gestört. Im Sand, auf dem Meeresboden, im Moos, auf der Haut oder in der Küche – überall tobt das Leben und Überleben. Eine farbenfrohe Hommage an die unsichtbaren Kleinstwesen dieser Welt, ohne die unser Leben auf diesem Planeten gar nicht möglich wäre.





Modernes Märchen