Wer den Drogen keine Macht geben möchte, der sollte sich weniger um Fussballer-Trikots und mehr um die Familien kümmern. Denn dass gesunde Familienverhältnisse der beste Schutz für Jugendliche gegen die Versuchungen aus Labors, Mohnfeldern und Cannabisplantagen sind, bewies jetzt eine von der europäischen Kommission finanzierte internationalen Studie unter der Leitung der Newcastle University in Großbritannien. Das Forscherteam um Dr. Paul McArdle vom Newcastle University`s Department of Child Health konnte zeigen, dass 14-15jährige Jugendliche deutlich weniger Alkohol und anderen Drogen zuneigten, wenn sie von beiden Eltern großgezogen worden waren und eine gute Betreuung und gesunde Familienverhältnisse genossen hatten. Als der einflussreichste Einzelfaktor stellte sich jedoch eine enge Beziehung zur Mutter heraus.
Der Kinderpsychiater McArtle und seine Kollegen hatten fast 4000 zufällig ausgewählte Jugendliche aus britischen, italienischen, irischen, deutschen und niederländischen Städten befragt. In den ausgeteilten Fragebögen wurden die 14-15jährigen um Auskunft darüber gebeten, ob sie bereits Drogen wie Cannabis, Amphetamine, Ecstasy, LSD oder Tranquilizer zu sich genommen hatten oder regelmäßige Alkoholtrinker seien.
Darüber hinaus stellten die Forscher eine Reihe von Fragen, um das Familienleben unter die Lupe zu nehmen:
Hatten die Eltern die Jugendlichen davon abgehalten, zu viel Fernsehen zu gucken? Hatte nach der Schule jemand zu Hause gewarter? War ein vertrautes, offenes Verhältnis zu ihren Eltern gegeben gewesen und hatten die Interviewten Freunde mit nach Hause bringen können?
Neben einem qualitativ hochwertigen Familienleben, besonders einem engen Verhältnis zur Muter, war es die Struktur der Familie, die sich als wichtig herausstellte: Das Aufwachsen mit beiden Elternteilen gemeinsam zeigte einen, wenn auch schwächeren, signifikanten Einfluss. Waren beide Bedingungen erfüllt, gaben nur 16,6 Prozent der Befragten Drogenmissbrauch an. Deutlich stieg die Gefahr, wenn jeweils nur eine der Bedingungen erfüllt werden konnte: Unter diesen hatten immerhin bereits 32 Prozent der Jugendichen engeren Rauschgiftkontakt. Auf 42 Prozent stieg die Quote, wenn weder das eine noch das andere gegeben war.
Stärker als all die guten Einflüsse zeigte sich nur die Macht des Umfeldes: Eine leichter Zugang zu Rauschgiften im Freundes- und Bekanntenkreis konnten den schützenden Effekt von Eltern und Geschwistern ausstechen. Nur die schützende Wirkung der Beziehung zur Mutter erwies sich als stärker.
Michael Brendler





