Ein starker Körper – was das ist, ist Definitionssache: Einerseits kann man darunter viel Muskelmasse verstehen, die kurzzeitig intensive Kraft entwickeln kann. Andererseits kann sich ein starker Körper auch durch vergleichsweise schlanke Muskelpakete auszeichnen, die aber eine besonders große Ausdauerleistung entwickeln können. Durch bestimmte Arten von Training lässt sich gezielt die Entwicklung der einen oder die anderen Version fördern. Um eine Mischung zu erreichen, nutzen viele Menschen allerdings auch Kombinationen. Wie die Bezeichnungen bereits nahelegen, bringt Krafttraining dabei Muskelmasse und Ausdauertraining Muskeln mit Durchhaltevermögen. Vor dem Hintergrund der beiden unterschiedlichen Effekte kann man sich fragen, ob sich auch andere Wirkungen, die man körperlicher Betätigung zuschreibt, unterscheiden. Konkret: Wie sieht es beim Anti-Aging-Effekt aus, den man dem Sport nachsagt?
Die Schutzkappen der Chromosomen im Blick
In diesem Zusammenhang haben sich die Forscher um Ulrich Laufs von der Universität Leipzig nun mit der Frage beschäftigt, inwieweit sich Krafttraining und Ausdauertraining unterschiedlich auf zelluläre Alterungsprozesse auswirken. Im Fokus standen dabei die Telomere – die Enden der Chromosomen, in denen das Erbgut jeder Zelle zusammengefasst ist. Die Teleomere bestehen ebenso wie die Gene aus Nukleotiden, enthalten aber keine Bauanweisungen. Sie bilden eine Art Kappe, die das genetische Material an den Enden der Chromosomen vor dem Verfall schützt. Wenn wir älter werden, verkürzen sich die Telomere – dabei handelt es sich um einen wichtigen molekularen Mechanismus der Zellalterung. Die Telomerlänge gilt deshalb als ein Indikator für das biologische Alter eines Menschen. In diesem Zusammenhang sind auch Substanzen bekannt, die den Prozess der Telomerverkürzung regulieren. Ein besonders wichtiger Drahtzieher ist dabei das Enzym Telomerase. Es wirkt dem Verkürzungsprozess entgegen und kann die Telomere sogar wieder verlängern.
Im Rahmen ihrer Studie haben Laufs und seine Kollegen zunächst die Telomerlänge sowie die Telomeraseaktivität in den weißen Blutkörperchen von 124 Probanden durch Laboranalysen erfasst. Anschließend ordneten sie die gesunden, aber zuvor inaktiven Studienteilnehmer unterschiedlichen sechsmonatigen Sportprogrammen zu. Trainiert wurde dreimal pro Woche für 45 Minuten. Eine Gruppe absolvierte ein Ausdauertraining durch Jogging beziehungsweiße Intervalltraining. Die Mitglieder der Krafttraining-Gruppe betätigten sich hingegen an unterschiedlichen Geräten, die intensive Muskelanspannung erforderten. Die übrigen Probanden bildeten die Kontrollgruppe – sie blieben inaktiv wie zuvor. Zur Auswertung analysierten die Forscher zwei bis sieben Tage nach dem letzten Training erneut die Telomerlänge und Telomeraseaktivität aller Studienteilnehmer.





