Ob Zeugnisse des Ersten Kreuzzugs, eine antike Pilgerstraße oder die Überreste des jüdischen Tempels: Die Stadt Jerusalem ist voller archäologischer Relikte. Immer wieder stoßen Forschende bei Ausgrabungen auf Funde, die von der langen Geschichte dieses Ortes zeugen.

Sorgfältig in den Fels gemeißelter Tunnel
Jetzt gibt es einen neuen Fund, der den Archäologen Rätsel aufgibt. Denn es handelt sich um einen Tunnel bislang unbekannter Funktion, den Archäologen am Südrand Jerusalems nahe des Kibbuz Ramat Rachel entdeckt haben. Bei Ausgrabungen im Vorfeld eines Neubauprojekts stieß das Team der israelischen Altertumsbehörde um Sivan Mizrahi und Zinovi Matskevich auf etwas Unerwartetes. „Wir gruben in relativ steinigem und exponiertem Terrain, als wir einen natürlichen Karst-Hohlraum entdeckten“, berichten die Archäologen. „Doch zu unserem Erstaunen wandelte sich dieser Hohlraum im weiteren Verlauf der Ausgrabungen zu einem langen Tunnel.“
Dieser Tunnel erstreckt sich mindestens 50 Meter weit durch den Untergrund und ist bis zu fünf Meter hoch und rund drei Meter breit. Der größte Teil des Tunnels ist mit Geröll und Sediment gefüllt, die sich im Laufe von Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden angesammelt haben. Bearbeitungsspuren an den Tunnelwänden belegen eindeutig seinen nicht natürlichen Ursprung und zeugen von sorgfältigen Steinbrucharbeiten. Eine Treppe führte einst von der Oberfläche in die Tiefe bis zu einer in den Fels gehauenen Öffnung, die in den Tunnel führte. Unweit des Eingangs stießen die Archäologen zudem auf eine Art Lüftungsschacht, der von der Tunneldecke an die Erdoberfläche führte.
„Es ist klar, dass diejenigen, die diesen Tunnel gegraben haben, enorme Anstrengungen und sorgfältige Planung in die Arbeit investierten. Sie verfügten offensichtlich sowohl über die nötigen Fähigkeiten als auch die Ressourcen, um dieses Ziel zu erreichen“, erklären Mizrahi und Matskevich.





