Jeder kann einen Antrag auf Normung stellen. Meist sind es Unternehmen oder Verbände, die ein Normungsverfahren beantragen. Das DIN recherchiert, wer sonst an einer solchen Norm Interesse hat und setzt den Normungsprozess in Gang, wenn genügend Interesse besteht.
Ein Normungsausschuss wird einberufen, in dem nach DIN 820 die wichtigsten betroffenen Gruppen vertreten sein müssen: neben den Firmen auch Behörden wie Eich- und Prüfinstitute sowie Verbraucherverbände. Derzeit gibt es über 70 Ausschüsse, die sich mit Themen von Armaturen bis Werkstofftechnologie befassen. Der Ausschuss einigt sich auf einen Entwurf, dessen Veröffentlichung im DIN-Anzeiger bekannt gegeben wird. Die Einspruchsfrist beträgt in Deutschland sechs Monate, soll aber verkürzt werden. Bei Euro-Normen sind es zwei Monate.
Nach Anhörung der Einsprüche wird der Entwurf überarbeitet oder, wenn es viele und schwerwiegende Änderungen gibt, ein zweiter Entwurf wird herausgegeben. Dabei gilt der Grundsatz, dass im Ausschuss kein „wesentliches Interesse” überstimmt werden darf, also zum Beispiel technische Einwände von Prüfinstituten. In strittigen Fällen wird ein Schiedsverfahren eingeleitet. Bringt auch das keine Einigung, tritt die Norm nicht in Kraft. Internationale Normen können auch ohne Konsens durch Mehrheitsbeschluss in Kraft treten.
Die Norm wird vom Beuth-Verlag veröffentlicht, der zum DIN gehört und rund 170 Mitarbeiter beschäftigt. Er verkauft die gedruckten Normblätter zum Preis von 10 Euro (für ein Berichtigungsblatt) bis 250 Euro (für eine neue Norm mit mehreren Hundert Seiten). Damit trägt der Beuth- Verlag zwei Drittel zum 57 Millionen Euro Budget des DIN bei – ein Viertel sind Förderbeiträge der Wirtschaft, der Rest projektbezogene Zuwendungen der öffentlichen Hand. Deshalb dürfen Normschriften nicht kopiert werden, und es gibt sie auch nicht zum Download im Internet. Jeder Interessierte kann die Schriften aber kostenlos einsehen. Dazu sind in Deutschland rund 60 Normenauslegestellen eingerichtet, meist in Uni- oder Fachhochschul-Bibliotheken.
2005 hat das DIN 2484 neue oder überarbeitete Normen veröffentlicht, der gesamte Bestand umfasste zum Jahresende 2005 genau 29 583 Normen. Ältere Normen werden dem Stand der Technik angepasst: Spätestens alle fünf Jahre wird eine Norm überprüft, aktualisiert und abgeschafft, wenn die Wirtschaft sie nicht mehr benötigt.
Die Nummerierung der Normen folgt keiner Systematik, sondern die Nummern werden in der Regel fortlaufend vergeben. Für manche Branchen hat man versucht, Nummernblocks zu reservieren, so beziehen sich 1er-Nummern häufig auf das Bauwesen, 7er auf Dienstleistungen. Doch das ist nicht immer durchgängig, sodass hier nur Experten durchblicken. Nummern von älteren, nicht mehr benutzten Normen werden nicht wieder verwendet.





