„Ist das Alter gütiger zu den von Anfang an Fähigeren?” Gleich vier Fachartikel der letzten 50 Jahre trugen diese Frage als Titel. Und in der Tat erkranken Menschen mit hohem IQ seltener an Alzheimer als andere.
Das belegen viele Untersuchungen, doch die Gründe sind unklar. Sicherlich wird Demenz bei überdurchschnittlich Begabten lange übersehen, denn die Gedächtnisleistungen von Hochbegabten liegen in guten Jahren so weit über der Norm, dass die so Bevorzugten eine Menge an geistiger Potenz verlieren können, bevor sie bei einem Test durchfallen.
Das Bild ändert sich, wenn helle Köpfe an ihrem eigenen Niveau gemessen werden. Die Psychologieprofessorin Dorene Rentz von der Harvard Medical School testete 42 hochintelligente Senioren. Laut Standardauswertung versagte keiner. Doch als der Maßstab der hohen Intelligenz angepasst wurde, kam nur die Hälfte glatt durch. Bei elf Teilnehmern lagen die Gedächtnisleistungen unter ihrem Niveau. Dreieinhalb Jahre später zeigten neun der alten Menschen eine verminderte geistige Leistungsfähigkeit, sechs eine leichte kognitive Störung.
Verkehrte Maßstäbe sind jedoch nicht die ganze Erklärung. Intelligenz scheint tatsächlich in gewissem Umfang vor geistigem Niedergang zu bewahren. Das zeigte ein englisches Team um den Psychologen Dr. Marcus Richards vom University College London: Die Forscher analysierten Daten von über 2000 Briten, die im Jahr 1946 geboren waren und später mehrmals untersucht wurden. Resultat: Je mehr Grips die Menschen mit 15 Jahren hatten, desto weniger ging ihre geistige Leistungsfähigkeit im fünften Lebensjahrzehnt zurück. Dies galt unabhängig von Bildung, Schicht und Gesundheit.
Vielleicht suchen sich intelligentere Menschen eher geistig anspruchsvolle Tätigkeiten und bleiben dadurch mental fit. Doch, so Richards, hohe Intelligenz „könnte auch einen Schutz vor dem Niedergang des Verstands mit sich bringen.” Nur welchen, das weiß bislang niemand.





