Der israelische Ökologe Ron Frumkin sieht jetzt schon den Einfluss des Sperrwalls auf die Populationen von Gazelle, Steinbock, Stachelschwein oder Dachs. Er hält die Trennung der Habitate – und damit der Tierfamilien – vor allem für ein genetisches Desaster. Gerade größere Tiere brauchen Raum, um zu existieren, sie ziehen von ihren Brut- in die Weidereviere, die nun oft auf der anderen Seite liegen.
So geht es ihnen wie den Bauern, die durch die Mauer, zum Beispiel in der Grenzstadt Kalkilia, von ihren Feldern abgeschnitten sind.
Frumkins Studien über die ökologischen Folgen des Sperrwalls erreichten Israels höchsten Gerichtshof. Sie verhinderten immerhin die Pläne des Verteidigungsministeriums, die Mauer im südlichen Westjordanland weiter auszubauen. Dort zieht der Steinbock im Sommer vom Hochland zu den Quellen herunter. Der Sperrwall hätte die gesamte Art ausgerottet.
Die Mauer schneidet außerdem ökologische Korridore ab. Land, das Naturschutzgebiete miteinander verbindet. So hält sie die Tiere, die in den Judäischen Bergen im Süden leben, davon ab, wie gewohnt nach Norden bis ins Carmel-Gebirge zu ziehen.
Auch die Vielfalt der Pflanzenwelt wird durch die räumliche Trennung gefährdet. Viele Pflanzen sind von der Verbreitung ihrer Pollen oder Samen durch wandernde Tiere abhängig.
Die Naturschützer sind in ihrem gemeinsamen Kampf gegen die Mauer durchaus erfolgreich: Immerhin wurde der Mauerbau in den vergangenen Jahren deutlich ausgebremst. Inzwischen arbeitet die Israelische Armee gemeinsam mit Naturschutz-Organisationen beider Seiten an Lösungen, um wenigstens kleineren Tieren den Übergang zu ermöglichen. Zum Beispiel werden mancherorts kleine Schlupflöcher in die Mauer gebohrt.
Aber es ist schwer einzuschätzen, wie viel Schaden der Sperrwall auf ökologischer Seite schon angerichtet hat. Imad Atrash arbeitet derzeit gemeinsam mit der britischen University of Kent an einer Studie, um die Folgen für die lokale Tierwelt zu analysieren. Er hofft, dass das Thema die Naturschützer beider Seiten in Zukunft näher zusammenbringt.
Foto: Getty Images/Walter Bibikov





