Der weibliche Zyklus beginnt Monat für Monat mit der Menstruation, bei der alte Gebärmutterschleimhaut mit einer Blutung abgestoßen wird. In der folgenden Zeit baut sich in der Gebärmutter neue Schleimhaut auf, während Follikel mit Eizellen heranreifen. In der Mitte des Zyklus kommt es zum Eisprung, bei der eine Eizelle freigesetzt wird, die nun zur Befruchtung bereitsteht. Die Gebärmutterschleimhaut verdickt sich in dieser Phase stärker, um einer potenziellen befruchteten Eizelle die Einnistung zu ermöglichen. Findet keine Befruchtung statt, baut sich die Gebärmutterschleimhaut wieder ab und wird mit der nächsten Menstruationsblutung abgestoßen.
Zyklusdaten von über 3.000 Frauen
Gesteuert wird dieser Prozess von einem fein abgestimmten Wechselspiel verschiedener Hormone. Doch was gibt dabei den Takt vor? Sind es innere Faktoren, etwa eine innere, von Genen regulierte Uhr, ähnlich wie beim Tag-Nacht-Rhythmus, oder spielen äußere Einflüsse eine Rolle, darunter beispielsweise der Mond? Um diese Fragen zu beantworten, hat ein Team um René Ecochard von der Université Claude Bernard Lyon 1 in Frankreich Zyklusdaten von 2.303 Frauen aus Europa und 721 Frauen aus Nordamerika ausgewertet. Insgesamt umfasste der Datensatz fast 32.000 Zyklen. Die Forschenden untersuchten zum einen die Schwankungsbreiten der Zyklen und weitere Merkmale, die auf eine potenziell interne Regulation hindeuten. Zum anderen untersuchten sie mögliche Korrelationen zu den Mondphasen.
Das Ergebnis: „Unsere Analysen der Daten deuten darauf hin, dass die rhythmischen Merkmale des Menstruationszyklus eher durch einen inneren, uhrähnlichen Antriebsmechanismus erklärt werden können als durch andere interne oder externe Prozesse“, schreibt das Team. So zeigte sich, dass die Zykluslänge statistisch vor allem mit der Länge der vorangegangenen Zyklen zusammenhängt, wobei es über mehrere Monate und Jahre hinweg jeweils leichte Schwankungen gibt. Dadurch verschiebt sich mit der Zeit sowohl der Beginn des Zyklus als auch die Dauer.
Innere Uhr als Taktgeber
Zusätzlich entdeckten die Forschenden in den individuellen Aufzeichnungen der Zykluslänge mehrfach sogenannte Phasensprünge. Diese sind typisch für eine innere Uhr, die kurzzeitig aus dem Takt gerät und sich dann selbst wieder korrigiert, indem sie in einen neuen stabilen Zustand springt. Bei der inneren Uhr, die unseren Tag-Nacht-Rhythmus steuert, kennen wir das beispielsweise nach einer langen Flugreise in eine andere Zeitzone. „So, wie es nach Interkontinentalreisen ein paar Tage dauern kann, bis sich die innere Uhr angepasst hat, können nach einem ungewöhnlich langen Menstruationszyklus auch mehrere Zyklen erforderlich sein, um die Diskrepanz zwischen dem Ovulationszyklus und dem inneren Taktgeber auszugleichen“, erklären Ecochard und seine Kollegen.





