Er verleiht Speisen feines Aroma sowie eine scharfe, wärmende Komponente. Neben diesen kulinarischen Aspekten steht der Ingwer aber auch im Ruf, Heilkraft entfalten zu können. In der asiatischen Medizin wird die Knolle schon lange bei verschiedenen Gesundheitsproblemen eingesetzt. Die nachgesagten Wirkungen sind bisher jedoch nur teilweise wissenschaftlich belegt. Sowohl Geschmack als auch Wirkung haben allerdings wohl zur Karriere der Knolle beigetragen: Dem Statistischen Bundesamt zufolge hat sich die Einfuhrmenge in Deutschland innerhalb der letzten zehn Jahre fast vervierfacht und erreicht nun 31.600 Tonnen pro Jahr.
Doch was ist tatsächlich dran an der angeblichen Heilkraft der Knolle? Konkret stellt sich die Frage, inwieweit übliche Verzehrmengen überhaupt ausreichen, um gesundheitliche Effekte zu erzielen. Und wenn ja, welche Inhaltsstoffe und molekulare Mechanismen eine Rolle spielen könnten. Diesen Fragen geht Erst-Autorin Gaby Andersen vom Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie in Freising bereits seit einiger Zeit nach.
Ingwertee sorgt für relevante Wirkstoffkonzentrationen
Die Grundlage der aktuellen Studie bildete eine Untersuchung, inwieweit sich durch den Konsum von Ingwer seine potenziell wirksamen Substanzen im Blut nachweisen lassen. Dazu tranken Testpersonen einen Liter Ingwertee innerhalb von 20 Minuten auf nüchternen Magen. Der Tee war dabei aus 100 Gramm frisch zerkleinerten Knollen hergestellt worden. Die anschließenden Blutanalysen ergaben, dass der Konsum des Tees zu einer überraschend deutlichen Anreicherung von sogenannten Gingerolen im Plasma geführt hatte. Am weitaus stärksten war dabei das [6]-Gingerol vertreten – mit einer Konzentration von 7 bis 17 Mikrogramm pro Liter.
Von dieser Substanz ist bekannt, dass sie eine geschmackliche Wahrnehmung von Schärfe bewirkt. Auch zum Mechanismus gab es dabei bereits Informationen: Das [6]-Gingerol bindet an den sogenannten TRPV1-Rezeptor. Es handelt sich dabei um einen Ionenkanal, der auf der Oberfläche von Nervenzellen sitzt und auf Hitze- und Schmerzreize sowie auf Scharfstoffe von Nahrungsmitteln reagiert. Zudem gab es Hinweise darauf, dass auch andere Zellen des Körpers über den Rezeptor verfügen. Deshalb ging das Forscherteam der Frage nach, inwieweit auch Immunzellen auf [6]-Gingerol regieren und ob ein entsprechender Reiz ihre Aktivität beeinflussen könnte.
Scharfstoff stimuliert die Körperpolizei
Durch die Analyse von Genaktivitäten, die im Zusammenhang mit der Bildung des TRPV1-Rezeptors stehen, gelang dem Team zunächst der Nachweis dieses „Geschmackssinns für [6]-Gingerol“ bei den sogenannten neutrophilen Granulozyten. Diese Zellen bilden den Großteil unserer Körperpolizei: Sie machen etwa zwei Drittel der weißen Blutkörperchen aus. Anschließend führten die Wissenschaftler Laborversuche mit diesen Immunzellen und verschiedenen Konzentrationen des Ingwer-Wirkstoffs durch.





