Doch dafür brauchte es ein Gelände, auf dem getüftelt und getestet werden konnte. Am 26. September 1909 wurde in der Berliner Gemeinde Johannisthal Deutschlands erster Flugplatz eröffnet: 2,1 Quadratkilometer, umgeben von einem meterhohen Bretterzaun. Während belgische und französische Piloten bei der anschließenden Flugshow problemlos über die 800 Meter lange Rollbahn bretterten, fiel der Versuch des einzigen deutschen Teilnehmers, Herrmann Dorner, kläglich aus: Hüpfend stolperte sein selbstgebauter Eindecker über das Feld. “Bei Vollgas und bei angezogenem Höhensteuer geht es mit Hilfe von Bodenunebenheiten zeitweise in die Luft, bis der Motor ein Spürchen nachlässt, und die Kiste wegen Geschwindigkeitsverlust die erreichten 50 Zentimeter Höhe abstürzt”, berichtete ein Augenzeuge.
Doch die deutsche Fliegerriege mauserte sich schnell. Bereits im Oktober 1909 heimste der Magdeburger Ingenieur Hans Grade den mit 40 000 Mark dotierten Lanz-Preis ein. Wenige Monate später hatten insgesamt 21 Deutsche das “Flugzeugführerzeugnis” in der Tasche. Und auch das Publikum fand zunehmend Gefallen an den halsbrecherischen Manövern. Leider kam es dabei immer wieder zu tödlichen Unfällen. Gerhard Sedlmayr hat im September 1911 einen Absturz überlebt. “Es scheint bei Flugzeugkatastrophen eine gewisse Anarchie unter den Zuschauern auszubrechen Uns armen Fliegern wird da nämlich gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist. So sah ich meine Mütze und Brille nicht wieder, Kapitän Engelhard fehlte seine wertvolle Krawattennadel.”
DEUTSCHES TECHNIKMUSEUM BERLIN
Trebbiner Straße 9
10963 Berlin
Eintritt: 4,50 (ermäßigt 2,50)




