Verschwörungstheoretiker lieben Bücher, auf deren schwarzen Umschlägen in blutroten Lettern Sakrileg oder Diabolus geschrieben steht. Dem Freund wahrer Wissenschaft sind sie dagegen ein Gräuel. Was…
Verschwörungstheoretiker lieben Bücher, auf deren schwarzen Umschlägen in blutroten Lettern Sakrileg oder Diabolus geschrieben steht. Dem Freund wahrer Wissenschaft sind sie dagegen ein Gräuel. Was aber soll er von einem Werk halten, das in ebenso verdächtigem Habit auftritt und schon im Untertitel vom kommenden Zeitalter naturinspirierter Systeme und Technologien raunt? Auf über 600 Seiten alsdann eine Revolution verkündet, von den demokratischen Prozessen bis zur Nanotechnologie und auf praktisch allen Gebieten, die dazwischen liegen, was nur die meisten noch nicht gemerkt hätten?
Kein Grund zur Sorge: Der amerikanische Wissenschaftsjournalist Robert Frenay schildert nur einen wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Paradigmenwechsel hin zum Biorealismus, den er manchmal auch neue Biologie oder Neobio nennt, und weg vom alten, kausal-mechanistischen Denken. Von der Natur lernen bereits viele Wissenschaften: Bionik, Nanotechnologie, Robotik, Künstliche Intelligenz, Genetik, Ökologie und Computertechnik, die einander im Geiste und per Internet verbunden sind.
In diesem interdisziplinären Ansatz sieht Frenay den Schlüssel zur Lösung vieler Probleme und belegt dies mit Beispielen und Statements. Etliches davon ist bekannt, aber in diesem Kontext ungewohnt. Im Grunde besteht das faktenreiche Kompendium auf einer kompromisslosen radikal-ökologischen Perspektive. Wer die akzeptiert und sich mit einer US-zentrierten Betrachtungsweise abfindet, erhält einen recht lesbaren Report über Weg und Ziel der Revolution.
Hans Schmidt