Die europäische Eisenzeit nördlich der Alpen war von zwei Gesellschaftstypen geprägt, die in der Archäologie als Hallstatt (800 bis 450 v. Chr.) und La Tène (450 v. Chr. bis etwa 50 v. Chr.) bekannt sind. Diese beiden frühkeltischen Kulturen hinterließen Grabhügel, in denen die Kelten ihre Toten mitsamt Gegenständen bestatteten. Häufig finden Archäologen darin beispielsweise zeremonielle Wagen, Möbel, Goldschmuck, Getränke und Speisen sowie importierte Waren von den Griechen und Etruskern. Besonders die als Fürstengräber bekannten Grabhügel von Eberdingen-Hochdorf und Asperg-Grafenbühl gehören wegen ihrer Goldfunde und Bronzegefäße zu den reichsten prähistorischen Grabstätten Deutschlands.
Auch Kindergräber aus dieser Zeit enthielten oft luxuriöse Grabbeigaben. Das deutet darauf hin, dass Reichtum und Macht bei den Kelten vererbt worden sein könnten. Wie die keltischen Gesellschaften genau organisiert waren und wie sie ihre Nachfolge regelten, ist unter Experten jedoch umstritten. Denn anders als die nachfolgende römische und andere frühmittelalterliche Perioden ist die Eisenzeit in Europa kaum durch Schriftquellen erforschbar.

DNA aus Gräbern verrät Verwandtschaftsbeziehungen
Ein Team um Joscha Gretzinger vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) in Leipzig ist der Frage der sozialen Struktur der Kelten nun anhand von alter DNA und Isotopenverteilungen nachgegangen. Dafür extrahierten und analysierten die Archäologen biologisches Material und Erbgut aus Zähnen und Knochen von 31 Personen, die in keltischen Grabhügeln gefunden wurden. Diese stammten aus sieben unterschiedlich reich bestückten Hügeln, die zwischen 616 und 200 v. Chr. und damit in der frühen Eisenzeit in Südwestdeutschland angelegt wurden.
Die Auswertung ergab, dass unter den Toten elf Frauen und 20 Männer waren. Viele von ihnen waren mit einem oder mehreren der anderen Toten verwandt. Diese Angehörigen wurden jedoch nicht immer in demselben Grabhügel bestattet, sondern in bis zu drei verschiedenen, die bis zu 100 Kilometer voneinander entfernt liegen. In zwei der Fundstätten mit den reichsten Grabbeigaben, den sogenannten Fürstengräbern, fanden sich die Überreste von zwei Männern, die Onkel und Neffe waren und damit eng verwandt. „Schon länger gab es die Vermutung, dass zwischen den beiden Fürsten aus den Grabhügeln in Eberdingen-Hochdorf und Asperg-Grafenbühl eine Verwandtschaft bestehen könnte“, so Co-Autor Dirk Krausse vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, „aber erst jetzt ist diese Vermutung durch die neuen Analysen Gewissheit geworden“.





