Mit zunehmendem Alter wird es schwieriger, die Dauer von Vorgängen richtig einzuschätzen. Auch ist es in der Jugend offensichtlich einfacher als im Alter, sich zu vorgerückter Stunde noch zu konzentrieren, berichten amerikanische Forscher in der Fachzeitschrift “Psychological Science” (Bd. 12, S. 478). Senioren sind außerdem oft überfordert, wenn mehrere Reize gleichzeitig auf sie einwirken, hat das Team um Cindy Lustig von der Washington University herausgefunden.
In einer Studie verglichen die Wissenschaftler das Zeitgefühl von älteren Menschen mit dem von Studenten. Dabei setzten sie die Probanden visuellen und akustischen Reizen aus, deren Dauer sie bestimmen sollten.
Morgens waren die Senioren konzentrierter als abends: Die Dauer eines Reizes konnten sie in der Frühe viel besser abschätzen als zu später Stunde. Wirkten zwei Reize – zum Beispiel ein Geräusch und eine Videosequenz – gleichzeitig auf einen älteren Menschen ein, konzentrierte er sich auf denjenigen, den er für den wichtigeren hielt. Dessen Dauer bewerteten bejahrte Menschen am Morgen dann exakt, den für sie subjektiv unwichtigeren ignorierten sie.
Junge Menschen konnten hingegen sowohl früh am Morgen als auch spät am Abend korrekt beurteilen, wie lange die Dauer der ihnen vorgespielten Reize war. Dies war unabhängig davon, ob sie die Reize einzeln oder in Kombination mit einem zweiten aufzunehmen hatten.
Die amerikanischen Forscher raten älteren Mitbürgern, wichtige Aufgaben nach Möglichkeit morgens zu erledigen, zur Zeit der besten Konzentrationsfähigkeit. Für junge Leute gelte dies nicht: Sie seien tendenziell abends sogar etwas aufmerksamer.
Dr. Sebastian Messerschmid





