Auch Erwachsene sind oft noch der Meinung, man müsse die Haut lediglich zu Beginn der warmen Jahreszeit mit Sonnencreme benetzen, aber ab einer gewissen Grundbräune könne man sich das sparen. Die Vielschmiererei sei nur ein Verkaufstrick der Sonnencrememafia.
Sonnen wir uns lieber in den wissenschaftlichen Fakten. Nicht nur in Politik und Geschäftswelt gilt: Wer ordentlich schmiert, hat unter Umständen ein leichteres Leben. Im Falle des Sonnenbades vor allem aber ein längeres. So beliebt Kaiserwetter auch ist, so gefährlich kann es nämlich sein. Und zwar für Mensch und Bier! Es kommt zu Lichtgeschmack und freiwilligem Zelltod! Doch der Reihe nach.
Wer ist für Zelltod zuerst, der zeigt auf?
Das ist die Mehrheit.
Also.
Unter freiwilligem Zelltod versteht man, dass eine Zelle aufgrund bestimmter Einflüsse praktisch beschließt zu sterben. Fachleute unter sich sprechen von Apoptose – was man tadellos mit „Abfallen” übersetzen kann. Wir kennen das etwa von Bäumen, wenn sie im Herbst die Blätter verlieren, um besser über den Winter zu kommen.
Wenn Sie im Sommer in Italien am Strand zu lange in der Sonne liegen, wird durch hochenergetische UV-Strahlung die DNA der Hautzellen geschädigt, was sich als Sonnenbrand bemerkbar macht. Für unsere Hautzellen das Signal: „Bitte nicht weiter teilen!“ Sie sterben und fallen ab. Das machen sie zwar sonst auch, aber nicht so viele und nicht so schnell. Und natürlich geht das nicht nur in Italien. Sondern hoffentlich überall. Denn wenn sich Zellen trotzdem endlos weiterteilen, kommt es im schlimmsten Fall zu Hautkrebs. Deshalb immer gut eincremen, wenn man in die Sonne geht. Das wissen die meisten mittlerweile.
Bier mit Sonnenbrand
Dass auch Bier eine Art Sonnenbrand bekommen kann, ist weniger bekannt. Aber genau deshalb lautet die Lagerempfehlung: vor Sonnenlicht schützen. Wenn es einmal ins Glas geschenkt ist, befindet es sich bereits in relativer Sicherheit. Dann wird es in der Regel rasch getrunken. Aber vor allem in der Flasche kann es zu Lichtgeschmack kommen. Das klingt zwar fast so, als würde ein Lichtfaster auf Sommelier umgeschult, sodass er nun bei Sonnenaufgang Sachen sagt wie: „Ein Lichtstrahl mit starkem Charakter, Osthang, leichter Morgenschleier.“
Aber bei uns geht es ja um Wissenschaft. Und wissenschaftlich handelt es sich bei Lichtgeschmack um das, was passiert, wenn Sonnenlicht die Hopfenbitterstoffe im Bier aufspaltet. Dann entsteht eine Chemikalie mit dem wunderschönen Namen „3-Methyl-2-buten-1-thiol“. Das könnte man sehr melodiös singen und einen Kanon daraus machen. Im Bier ist es aber weniger lieblich und verbreitet ungefähr denselben Geruch wie ein Stinktier, das gerade zeigt, was es aromatisch draufhat. Ranzig, schwefelig sind die Eigenschaftswörter zur Beschreibung, Eierschas sagt der österreichische Volksmund dazu, wenn er von einer nach Schwefelwasserstoff duftenden Flatulenz berichtet. Dass Bier zu stinken beginnt, ist nicht naheliegend. Eher hat man zuerst den Biertrinker oder die -trinkerin im Verdacht. Und es kann vieles stinken beim Biertrinken. Aber eben auch das Bier, wenn es mit dem 3-Methyl-2-buten-1-thiol gemeinsame Sache macht.





