Mit sensibler Beobachtungsgabe, aber auch mit philosophischem Weitblick und einer Prise schwarzem Humor verdeutlicht der Autor, dass wir alle nur eine winzige Hirnblutung oder ein banales Virus davon entfernt sind, zu einer abstrusen Parodie unserer selbst zu werden.
Die zuweilen surrealen Ausfallserscheinungen dienen Broks als Puzzlestücke, aus denen er versucht, den Bauplan unseres Seelenapparates zu rekonstruieren. In grotesk überzeichneter Form spiegeln diese Abgründe aber auch wichtige Facetten und Nuancen der normalen Psyche wider. Es ist daher kaum möglich, von diesen Parabeln nicht erschüttert zu werden.
Bezeichnenderweise illustriert der bereits enthusiastisch zum “neuen Oliver Sacks” stilisierte Erzähler sowohl die Autorität der Neurologie als auch ihre totale Impotenz. Er hinterlässt den beunruhigenden Verdacht, dass unsere wissenschaftliche Rationalität das Rätsel der personalen Identität niemals lösen wird.
Rolf Degen




