Wenn die Robbenmama nach einem Beutezug im Meer mit einem dicken Fisch an Land zurückkehrt, finden selbst in großen Kolonien Mutter und Kind zielstrebig wieder zueinander. Die Biologin Isabelle Charrier von der Universität Jean Monnet in St. Etienne hat mit ihrem Team jetzt untersucht, warum das so ist.
Die Wissenschaftler studierten auf der Insel Amsterdam im Indischen Ozean eine Kolonie Seebären (Arctocephalus tropicalis). Dabei fanden sie heraus, dass die Robbenbabys bereits wenige Tage nach ihrer Geburt die Stimme der Mutter eindeutig identifizieren können. Die Forscher spielten dazu Tonbandaufnahmen von Robbenrufen ab und beobachteten dabei die Jungtiere. Während die Heuler in ihren ersten Lebensstunden noch auf jeden Ruf eines weiblichen Tieres reagierten, antworteten sie nach zwei bis zehn Tagen nur noch ihrer Mutter. Erst dann verließ diese den Nachwuchs, um auf Nahrungssuche zu gehen. Das Erkennen der Stimme des Muttertieres ist für die Robbenbabys lebenswichtig. Da Robben meist nur ihre eigenen Jungen füttern, müssten sie verhungern, wenn die „Familie” nicht wieder zueinander fände.
Hans Groth





