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Hitzestress nimmt weltweit zu
Erde & Umwelt

Hitzestress nimmt weltweit zu

Mehr und mehr Menschen weltweit sind starker Hitze ausgesetzt. · Foto: © Bim/iStock

Hohe Temperaturen sind die Hauptursache für wetterbedingte Todesfälle. Eine Studie zeigt nun, dass die Wärmebelastung seit den 1970er Jahren weltweit zugenommen hat. Demnach haben sich sowohl die Zeiträume als auch die Regionen, in denen extreme Hitze auftritt, ausgeweitet. Auch Nächte mit Temperaturen über 20 Grad werden demnach häufiger und intensiver.
Autor
Elena Bernard
22. Juni 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

In weiten Teilen Deutschland klettert das Thermometer aktuell weit über 30 Grad Celsius. Selbst die Nächte bieten kaum Abkühlung. Fallen die Temperaturen selbst in den kühlsten Stunden des Tages nicht unter 20 Grad Celsius, spricht man von tropischen Nächten. Neben den absoluten Temperaturen ist für die menschliche Gesundheit vor allem die sogenannte gefühlte Temperatur relevant. Diese bezieht auch weitere Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Wind und Strahlungsintensität mit ein.

Risiko für die Gesundheit

„Hitze ist weltweit die häufigste Ursache für wetterbedingte Todesfälle und verschlimmert Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und psychische Erkrankungen“, erklärt ein Team um Rebecca Emerton vom European Centre for Medium-Range Weather Forecasts in Großbritannien. Zahlreiche Studien haben bereits dokumentiert, dass Hitzewellen in Folge des Klimawandels zunehmen. „Bisher ist allerdings wenig darüber bekannt, wie sich diese Veränderungen in den von der menschlichen Bevölkerung wahrgenommenen Hitzetrends niederschlagen, insbesondere auf globaler Ebene“, so Emerton und ihre Kollegen.

Um besser zu verstehen, wie die steigenden Temperaturen Menschen in allen Teilen der Welt betreffen, haben die Forschenden einen globalen Datensatz zum menschlichen Hitzestress ausgewertet, der für den Zeitraum von 1950 bis 2024 jeweils die gefühlten Temperaturen erfasst. Das Ergebnis: „Extreme gefühlte Temperaturen sind auf allen Kontinenten häufiger geworden, und das räumliche Ausmaß gefährlicher Hitze hat sich ausgeweitet“, berichtet das Team. „Dadurch sind nun zuvor nicht betroffene Regionen ebenfalls betroffen.“

Es wird immer wärmer

Konkret zeigen die Daten, dass die größte Gesamtbelastung durch Hitzestress zwar in Afrika auftritt. Der größte Anstieg der Hitzebelastung zeigt sich jedoch in Europa: Die zehn heißesten Tage des Jahres sind bei uns heute um bis zu vier Grad Celsius wärmer als noch in den 1970er Jahren, lokal sogar um fünf Grad Celsius. Auch extreme Hitzeereignisse mit gefühlten Temperaturen von mehr als 46 Grad Celsius haben zugenommen. „Extreme Hitzebelastung, bei der dringende Maßnahmen erforderlich sind, um schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen zu verhindern, tritt in Europa mittlerweile 2,5-mal häufiger auf“, berichten die Forschenden.

Ein ähnliches Muster zeigt sich fast überall auf der Welt. Nur einzelne Gebiete, darunter Teile Indiens und Pakistans, verzeichnen leicht Rückgänge der gefühlten Temperatur an den heißesten Tagen des Jahres. Insgesamt waren vor rund 50 Jahren etwa 55 Prozent der Weltbevölkerung an mindestens 90 Tagen im Jahr einer starken Hitzebelastung mit über 32 Grad Celsius ausgesetzt – heute sind es 70 Prozent. 22 Prozent erleben heute an mindestens einem Tag im Jahr gefühlte Temperaturen von 46 Grad Celsius. Dies entspricht einem Anstieg um sechs Prozentpunkte gegenüber den 1970er Jahren. „Unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums entspricht dies einer zusätzlichen Milliarde Menschen“, so das Forschungsteam. Da die ausgewerteten Daten lokale Temperaturtreiber wie städtische Hitzeinseln außer Acht lassen, könnte die tatsächliche Zahl den Forschenden zufolge sogar noch höher liegen.

Anpassungsstrategien dringend erforderlich

Um die Bevölkerung vor den Auswirkungen der Hitze zu schützen, sind laut Emerton und ihrem Team umfassende Maßnahmen erforderlich: „Gesundheits-Aktionspläne zum Umgang mit Hitze, Frühwarnsysteme und Maßnahmen zur städtischen Kühlung sind unerlässlich, um die Hitzebelastung zu verringern“, schreiben sie. Wichtig sei es dabei, sowohl die Hitze am Tag als auch in der Nacht zu berücksichtigen. Denn bleibt es in der Nacht zu warm, beeinträchtigt das die Erholung und erhöht das Risiko für hitzebedingte Todesfälle.

Zudem sollten die gefühlten Temperaturen stärker in den Fokus rücken: „Rein temperaturbasierte Schwellenwerte können das Risiko in feuchten oder windarmen Umgebungen unterschätzen“, erklären die Forschenden. „Ohne dringende Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an die steigenden Temperaturen werden in den kommenden Jahrzehnten weitere Milliarden Menschen gefährlichen Hitzestressbedingungen ausgesetzt sein. Anpassungsstrategien können dazu beitragen, die Anfälligkeit zu verringern.“

Quelle: Rebecca Emerton (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts, Reading, UK) et al., Nature Climate Change, doi: 10.1038/s41558-026-02670-5

GesundheitHitzeHitzestressTemperatur

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