Dann fragte er, ob wir Wyrtgeorn, Hengest und Horsa kennen würden. Alle verneinten. „Nun denn“, sagte er. „Wyrtgeorn war ein romano-britischer Tyrann des 5. Jahrhunderts, der nach dem Abzug der Römer im Süden Britanniens herrschte. Als die Völker aus dem Norden der Insel in den Süden einfielen, heuerte er sächsische Söldner an, um bei der Abwehr der Pikten zu helfen. Unter der Führung der beiden Brüder Hengest und Horsa kamen Jüten, Angeln und Sachsen auf die Insel und drängen die Pikten zurück. Sie erhielten dafür von Wyrtgeorn ein Stück Land in Kent. Die Söldner holten aber immer mehr Stammesgenossen nach Britannien, erhoben sich schließlich gegen Wyrtgeorn und verheerten sein Land.“ Onkel Erich unterbrach sich, um ein großes Stück Schwarzwälder Kirschtorte zu verschlingen. Dann fuhr er fort: „Die sächsischen Wörter ,Hengest‘ und ,Horsa‘ haben sich im Lauf der Jahrhunderte zu ,Hengst‘ und ,Ross‘ abgeschliffen. Und in England ist aus ,Horsa‘ das Wort ,horse‘ geworden. Obwohl kaum noch jemand die beiden Brüder Hengest und Horsa kennt, so sind sie nicht vollständig in Vergessenheit geraten. Noch heute sieht man nämlich an vielen niederdeutschen Hallenhäusern zwei Pferdeköpfe als Giebelschmuck.“ Erich trank seine Tasse aus und schenkte sich nach. „In den letzten Wochen habe ich in einer Klosterbibliothek in Kent einen Kodex restauriert. Keines der Blätter war schon vorher einmal beschrieben gewesen, bis auf das letzte Blatt. Dort hatte ‧ursprünglich ein kleines Schachbrett mit nur 5×5 Feldern gestanden. In ein Feld war eine Krone gezeichnet worden, in ein zweites ein weißer und in ein drittes ein schwarzer Pferdekopf. Darunter standen zwei Zeilen. Die erste Zeile war bis auf das Wort ,Wyrt‧georn‘ unleserlich. In der zweiten Zeile stand auf ‧Latein ,Hengest und Horsa springen im Dreieck‘“.
„Was soll das bedeuten?“, fragte ich verständnislos. „Das ist doch völlig klar!“, erwiderte Erich. „Die drei Figuren bilden die Ecken eines Dreiecks.“ „Das scheint mir doch weit hergeholt zu sein“, wandte mein Schwager Jakob ein. „Es gibt Tausende von Stellungen der Figuren, bei denen diese ein Dreieck bilden.“ „Ach!“, sagte Erich überrascht. „Das hätte ich nicht vermutet. Wie viele sind es denn?“ „Tja“, erwiderte Jakob und kratzte sich am Kopf. „Das müsste ich erst ausrechnen.“
Wissen Sie, wie viele Stellungen es für Hengest, Horsa und Wyrtgeorn auf dem Brett gibt, bei denen sie die Ecken eines Dreiecks bilden? Die Figuren stehen dabei immer genau auf den Mittelpunkten der Felder. Dreiecke, die zu Strecken entartet sind, zählen nicht mit. Stehen also beispielweise alle drei Figuren in der ersten Spalte des Schachbretts, bilden sie kein Dreieck.






