von JÜRGEN BRATER
Beim Stichwort Darm denkt man automatisch zuerst an die üblicherweise als Verdauung bezeichnete Nahrungsverwertung, also an die enzymatische Aufspaltung dessen, was wir zu uns nehmen, in kleinste Bestandteile. Bei den Kohlenhydraten sind das Einfachzucker, bei den Proteinen Aminosäuren und bei den Fetten Glyzerin und Fettsäuren. Im Lauf eines 80-jährigen Lebens wandern nicht weniger als 30 Tonnen feste Speisen und dazu noch etwa 50.000 Liter Flüssigkeit durch den Darm. Dem Nahrungsbrei so viele verwertbare Moleküle wie möglich zu entziehen, ist Aufgabe der Darmschleimhaut: Vielfach gefältelt und mit etwa zehn Millionen fingerförmigen Zotten versehen ragt sie ins Darminnere. Könnte man die Schleimhaut vollkommen flach ausstreichen, entspräche ihre Fläche von rund 300 Quadratmetern der Größe eines Tennisplatzes. Insgesamt dauert es, je nach Art der Nahrung, 25 bis 40 Stunden, bis wir die letzten Reste dessen, was wir uns einverleibt haben, zusammen mit Gallebestandteilen, schleimigen Drüsenabsonderungen sowie Unmengen von Darmbakterien wieder ausscheiden. Von diesen leben in einem einzigen Gramm Kot weit mehr, als es Menschen auf der Erde gibt.





