Das Aurignacien ist die erste über größere Teile des Kontinents verbreitete Kulturstufe der Jüngeren Altsteinzeit (Jungpaläolithikum) in Europa. Sie überspannt den Zeitraum vor etwa 43 000 bis 28 000 Jahren.
Die Mehrheit der Archäologen und Paläoanthropologen ist heute überzeugt, dass nach Europa einwandernde, anatomisch moderne Menschen die Träger des Aurignacien waren. Die frühesten Zeugnisse ihrer Anwesenheit sind rund 43 000 Jahre alte Zähne aus der Grotta del Cavallo in Apulien und ein Oberkieferfragment aus der Kent’s Cavern in Südengland. Vermutlich führten die Wanderwege der Immigranten sowohl über den Mittelmeeerraum als auch durch das Donautal („Donaukorridor-Hypothese”) sowie durch die nordeuropäische Tiefebene. Während der ersten Jahrtausende dieser Einwanderung verlieren sich die Spuren der letzten Neandertaler. Ob und in welcher Weise hier ein Kausalzusammenhang besteht, ist bislang unbekannt.
Das Aurignacien ist charakterisiert durch schmale Feuersteinklingen, Kratzer, Bohrer und Stichel, aus Knochen und Geweih gefertigte Geschossspitzen und Werkzeuge. Besonders spektakulär sind die ältesten Musikinstrumente und die älteste figürliche Kleinkunst der Welt, gefunden in Höhlensedimenten der Schwäbischen Alb. Herausragende Beispiele sind die „Venus vom Hohle Fels” und der „Löwenmensch”.





