Virologen haben bei einer 62-jährigen Französin eine bisher unbekannte Variante des Aids-Erregers HIV nachgewiesen: Sie ähnelt eher einem erst vor knapp drei Jahren bei Gorillas entdeckten Verwandten von HIV als der Schimpansen-Form dieses Virus, wie die meisten der bislang bekannten HIV-Varianten.
Entdeckt wurde die neue HIV-Form, weil verschiedene Tests bei der 62-Jährigen widersprüchliche Ergebnisse geliefert hatten. Eine Erbgut-Analyse zeigte schließlich: Die Viren gehören zwar wie die meisten Aids-Erreger zum Typ HIV-1, lassen sich jedoch keiner der drei bekannten Untergruppen M, N oder O zuordnen. Die Forscher um Jean-Christophe Plantier von der Universität in Rouen empfehlen daher, den neuen Stamm als Untergruppe P zu bezeichnen.
Für die Ähnlichkeit zum Gorilla-Virus haben die Virologen drei mögliche Erklärungen: Das Virus ist vom Schimpansen auf den Gorilla und dann auf den Menschen übergegangen. Oder es hat – ausgehend vom Schimpansen – Mensch und Gorilla parallel infiziert. Oder es ist tatsächlich vom Gorilla auf den Menschen übergesprungen.
Direkt bei einem Gorilla angesteckt hat sich die Frau wohl nicht: Sie stammt zwar aus Kamerun, ist dort aber nie mit einem Menschenaffen oder dessen Fleisch in Berührung gekommen. Außerdem sind die bei ihr gefundenen Viren so gut an den menschlichen Körper angepasst, dass diese Virus-Form wohl schon längere Zeit von Mensch zu Mensch weitergegeben wird, erklären die Wissenschaftler.





