„Sensation an der Berliner Charité: Diese Maus berechnet Ihre Gesundheit!”, versprach jüngst eine Boulevardzeitung. Ein kleines Gerät könne in Sekundenschnelle ermitteln, wie gesund sich ein Mensch ernährt und wie fit er ist, verspricht der folgende Artikel. Praktisch – vor allem in Anbetracht der vielen Mythen und Unsicherheiten, die sich um das Thema gesunde Ernährung ranken (siehe Beitrag „Ernährung: Die 10 großen Irrtümer” in diesem Heft).
Tatsächlich lässt sich mit dem kleinen mausförmigen Scanner völlig schmerzfrei mithilfe von reflektiertem Licht am Handballen messen, wie es um die antioxidative Kapazität der Haut bestellt ist. „Darunter muss man sich eine Art Bankkonto für Antioxidantien vorstellen – Substanzen, die in der Lage sind, freie Radikale und aggressive Sauerstoffverbindungen unschädlich zu machen”, erläutert Jürgen Lademann, Leiter des Zentrums für Hautphysiologie an der Charité und Mitentwickler des Messsystems. Aufgefüllt wird dieses Konto durch gesundes Essen, speziell Gemüse und Obst. Abbuchen kann alles, was Stress erzeugt – vor allem Krankheiten, aber auch Rauchen, Alkohol, Belastungen in Beruf und Privatleben, Schlafmangel und intensives Sonnenbaden. Der Hautscanner misst den Kontostand, indem er stellvertretend für die ganze Antioxidantien-Gruppe die Menge an Beta-Carotin und Lykopen in der Haut ermittelt. „Wir haben festgestellt, dass dieser Kontostand bei jedem Menschen einen bestimmten Grundwert hat und dass dieser Wert eine Art Fingerabdruck des Lebensstils ist”, erklärt Lademann. So könne man fast sofort sehen, ob jemand Gemüseliebhaber oder Fastfood-Fan, Raucher oder Nichtraucher sei.
Allerdings stehen noch Untersuchungen aus, die belegen, dass sich ein hoher Messwert mit einer allgemein guten Gesundheit, vielleicht sogar einem verringerten Krebsrisiko oder einem robusteren Herz-Kreislauf-System gleichsetzen lässt – alles Dinge, die Antioxidantien angeblich leisten können. Erste Ergebnisse einer aktuell laufenden Studie seien vielversprechend, deutet Lademann an.
Er kann sich vorstellen, dass in Zukunft jeder einen solchen kleinen Scanner in seinem Bad liegen hat: „Über dieses System kann man sich direkt mit seinem Körper unterhalten und bekommt sofort die Quittung für gesunde Ernährung, aber auch für Stress oder durchzechte Nächte.” Die Messungen machten geradezu süchtig, hätten ihm seine Probanden erzählt – man versuche, immer bessere Werte zu erreichen. Noch ist das Gerät allerdings nicht auf dem Markt. Laut Lademann ist die Einführung „irgendwann gegen Ende des Jahres” geplant.





