Schmutzige Rettung GAU auf der Intensivstation: Eine Patientin mit einer schweren Infektion erleidet einen septischen Schock. Die Mediziner sind machtlos. Keines der verabreichten Antibiotika schlägt…
Schmutzige Rettung
GAU auf der Intensivstation: Eine Patientin mit einer schweren Infektion erleidet einen septischen Schock. Die Mediziner sind machtlos. Keines der verabreichten Antibiotika schlägt an, die Krankheitserreger sind resistent.
Erstaunlicherweise könnte die Rettung ausgerechnet aus dem Morast des Abwasserkanals kommen. Denn dort, wo sich Bakterien wohl fühlen, gedeihen auch ihre natürlichen Feinde:
die Bakteriophagen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galten sie als Hoffnungsträger im Kampf gegen Infektionen wie Ruhr, Cholera und Abszesse.
Der Biochemiker und Wissenschaftsjournalist Thomas Häusler hat der vergessenen Therapie nachgespürt. Fündig wurde er vor allem in einem bakteriologischen Institut im georgischen Tiflis. Dort wurden bis in die siebziger Jahre Bakteriophagen isoliert und mit diesen Viren Krankenhäuser in der ganzen Sowjetunion beliefert. In der westlichen Welt dagegen kam mit dem Siegeszug der Antibiotika Mitte des letzten Jahrhunderts das Aus für die Viren-Therapie.
Die aktuelle Krise der Antibiotika birgt eine neue Chance für die Phagen und vielleicht für die georgischen Forscher. Häusler schreibt mit viel Sympathie über ihren kargen Arbeitsalltag und die zum Teil spektakulären Heilungserfolge. Doch anders als es der Titel vermuten lässt, weckt er keine übertriebenen Erwartungen. Denn es ist fraglich, ob es die Bakterienkiller wirklich in die Intensivstationen der Industriestaaten schaffen werden. Noch gibt es keine fundierten Studien zu ihrer Wirksamkeit die Befürworter der Phagentherapie stützen sich bisher ausschließlich auf Einzelfälle geheilter Patienten.
Dr. Ute Schönfelder