Nach Computersimulationen US-amerikanischer Astronomen um Matij Cuk wurde die Erde bei der Mondentstehung viel härter getroffen als vermutet. In diesem Szenario hatte das Erde-Mond-System nach der gewaltigen Kollision bedeutend mehr Drehimpuls als heute – 180 Prozent so viel. Die Erde rotierte rasant – einmal alle 2,5 Stunden. Nachdem sich aus den Trümmern, die die Erde umkreisten, der Mond geformt hatte (1), dehnte sich dessen Orbit durch „Gezeitenreibung” zwischen Erde und Mond aus (2). Rund 9000 Jahre war der Mond noch stärker unter den Einfluss der Sonne geraten. Die Mondbahn nahm eine besondere Orientierung im Raum ein, sodass zwischen der Richtung zum erdnächsten Punkt der Mondbahn und der Richtung zur Sonne ein rechter Winkel entstand (3). Diese „Resonanz” hielt den Mond mehrere Zehntausend Jahre lang gefangen. Auch in dieser Konstellation wurde die Erddrehung durch den Gezeiteneinfluss des Mondes gebremst. Der konnte den zugehörigen Drehimpuls aber nicht aufnehmen, da die gravitative Ausrichtung zur Sonne dies verhinderte. Stattdessen übertrug der Mond den Drehimpuls auf das System von Erde und Sonne. Die Folge: Das Erde-Mond-System verlor Drehimpuls (4, 5). Nachdem der Mond aus dem Resonanzgefängnis ausgebrochen war, vergrößerte sich sein Orbit weiter. Angetrieben wurde diese Expansion durch die Gezeiten-Wechselwirkung mit der Erde. Dieser Effekt dauert bis heute an. Rund 100 000 Jahre nach der Mondgeburt hörte der Drehimpulsverlust des Erde-Mond-Systems weitgehend auf. Die Erdrotation war auf fast sechs Stunden abgebremst worden (6).





