Dies gilt etwa für die Grabkammergewölbe mitsamt ihren Skelettfunden, die im architektonischen Kontext zu den Zikkurratbauten (abgestufte Tempeltürme) stehen. Der Verdacht der Ausgräber, es könnte sich um Gefolgschaftsbestattungen handeln, blieb ebenso unbestätigt wie die Funktion der in den Tempelwerkstätten sichergestellten Porträtmasken rätselhaft.
Der Buchtitel suggeriert Aufklärung über die mythologischen Beziehungen zwischen dem weiblichen Geschlecht und den symbolträchtigen Schlangen. Als Dekormotiv umringeln diese Reptilien Objekte aller Art, winden sich um Frauenkörper und Obstbäume. Letzteres assoziiert zwar Eva und den Sündenfall, doch wer sich auf den Spuren des bibli‧schen Themas wähnt, wird enttäuscht. Die Autorin greift diese Metapher auf, ohne sie zu vertiefen, und bringt nur wenige ikonographische Beispiele.
Dass Frauen allerdings eine entscheidende Rolle in der elamischen Gesellschaft spielten, erfährt man in den folgenden Kapiteln. Ihre Stellung war selbst außerhalb höfischer Kreise bemerkenswert selbständig; Ehefrauen oder Töchter wurden oftmals ihrer erbrachten Leistung wegen als Alleinerbinnen bedacht und durften frei über ihren Besitz verfügen. Ob dies als Reflex auf ein von starken Göttinnen beherrschtes Pantheon zu werten ist, mag dahinstehen. Unübersehbar bleiben Präsenz und Einfluss der weiblichen Mitglieder des Königshauses, nicht zuletzt galt die Schwester eines Regenten aus dem 3. Jahrtausend als Stamm-Mutter aller legitimen Herrscher.
Diese am elamischen Königshof praktizierte Inzucht bildet in der Tat ein überraschendes soziographisches Element: Der Begriff „Schwestersohn“ war gleichbedeutend mit „Erbsohn“ und betraf nicht etwa den Neffen, sondern den männlichen Spross, den der König mit seiner Schwester gezeugt hatte.
Heidemarie Koch legt ein archäologisches Sachbuch vor, das die Leistungen einer Hochkultur aufzeigt, die sich jahrtausendelang in ständigem Konkurrenzkampf mit den benachbarten Zivilisationen Sumer, Babylonien oder Assyrien befand. Koch propagiert eine Vorreiterrolle Elams und möchte den Sumerern ihren Stammplatz, die Erfinder von Schrift- und Stadtentwicklung gewesen zu sein, streitig machen. So liefert die Lektüre ihres Buches reichlich Argumentations- und Diskussionsstoff.
Rezension: Stiehler-Alegría, Gisela




