Schon Charles Darwin interessierte sich dafür, wie Tiere und Pflanzen neu entstandene Inseln besiedeln. Gerade wenn die Insel fernab vom Festland liegt, handelt es sich dabei häufig um zufällige Umzüge – etwa indem Lebewesen auf Treibholz festsitzen und immer weiter hinausgetrieben werden. Zu den erfolgreichsten unabsichtlichen Seefahrern gehören Leguane. Per „Floß“ haben diese Echsen etwa bereits die Karibik und die Galapagosinseln besiedelt.
Auf der Spur der Weltenbummler
Auch auf den abgelegenen Pazifikinseln von Fidschi und Tonga gibt es Leguane. Ob diese Fidschi-Leguane (Brachylophus) jedoch per Floß oder anderweitig dort gelandet sind, war lange unklar. Biologen hatten auf der Grundlage einiger in Ostasien gefundener Fossilien etwa spekuliert, dass eine Urpopulation von Leguanen, die heute ausgestorben ist, rund um den Pazifik lebte und über den Land- oder Seeweg in die Mitte des Ozeans gelangte. Der Ursprung der Fidschi-Leguane könnte demnach zum Beispiel in Nord- oder Südamerika liegen. Doch welche Version der Geschichte ist die richtige?
Um das herauszufinden, haben Forschende um Simon Scarpetta von der University of San Francisco nun groß angelegte genetische Analysen durchgeführt und das Genom der Fidschi-Leguane mit dem von 14 anderen Leguanarten aus acht Gattungen verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass die im Südpazifik heimischen Leguane am engsten mit nordamerikanischen Wüstenleguanen (Dipsosaurus) verwandt sind. Ihre Linien trennten sich wahrscheinlich vor etwa 31 bis 34 Millionen Jahren – also kurz vor oder nach der vulkanischen Entstehung des Fidschi-Archipels. „Dies legt nahe, dass diese Leguane das Land, auf dem Fidschi heute liegt, kolonisiert haben könnten, sobald es dort auftauchte“, erklärt Seniorautor Jimmy McGuire von der University of California in Berkeley. Aber wie sind die kleinen Reptilien dort hingelangt? Schließlich trennen Nordamerika und Fidschi über 8000 Kilometer Seeweg.

Per Floß über den Pazifik
„Dass sie die Fidschi-Inseln direkt von Nordamerika aus erreicht haben sollen, scheint verrückt“, sagt McGuire. „Aber alternative Modelle, die eine Besiedlung aus angrenzenden Landgebieten vorsehen, passen nicht wirklich zu diesem Zeitrahmen.“ Nach Ansicht der Forschenden ist es daher am wahrscheinlichsten, dass die Vorfahren der heutigen Fidschi-Leguane per Floß von der Westküste Nordamerikas aus angereist sind – beispielsweise auf im Ozean treibenden Ästen und anderen Pflanzenteilen. Eine solche Reise entspricht der längsten bekannten transozeanischen Ausbreitung eines Landwirbeltiers. Ein Segler bräuchte für die über 8000 Kilometer lange Strecke zwischen Nordamerika und Fidschi rund einen Monat. Leguane, die vielleicht im Rahmen eines Wirbelsturms auf einem entwurzelten Baum im Meer gelandet sind, deutlich länger, wie Scarpetta und seine Kollegen berichten.





