Im Nahen Osten haben Menschen bereits vor etwa 10.000 Jahren Landwirtschaft und Viehzucht betrieben. Im sogenannten „Fruchtbaren Halbmond“ gab es damals nach einer vorangegangenen langen Trockenphase wieder genügen Wasser. Infolgedessen gediehen dort die Felder ebenso wie Kunst, Kultur und Architektur. Auch weiter südlich, in Nordarabien, gab es zu dieser Zeit wieder erste Siedler. Möglich machte dies eine kluge Wassernutzung und ein Netzwerk aus Oasen in diesem ansonsten weiterhin trockenen Gebiet. Unklar war bislang jedoch, ob Menschen auch schon vor mehr als 10.000 Jahren in der arabischen Wüste lebten. Denn es gibt kaum archäologische Funde aus der Epoche der Altsteinzeit, die Hinweise darauf geben könnten.

Jetzt haben Forschende um Maria Guagnin vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie in Jena bei Ausgrabungen am Südrand der Nefud-Wüste im Norden Saudi-Arabiens neue Hinweise entdeckt. Aus den Sedimenten in der drei Stätten Jebel Arnaan, Jebel Mleiha und Jebel Misma geht hervor, dass diese Gegend ebenso wie die Levante lange Zeit sehr trocken war. Doch schon vor etwa 16.000 bis 13.000 Jahren bildeten sich in der Wüste vereinzelte Seen, die zumindest saisonal mit Wasser gefüllt waren. Den Menschen dort stand demnach theoretisch wieder Frischwasser zur Verfügung. Dass sie dies nutzten und sich auch tatsächlich schon früher in der Wüste niederließen, belegen Funde von einzigartigen Felsmalereien aus der Region.
Felsbilder als Wegweiser zum Wasser
In der Nefud-Wüste fanden Guagnin und ihre Kollegen 62 Tafeln mit insgesamt 176 monumentalen Felsgravuren. Sie wurden in steile, bis zu 39 Meter hohe Felswände aus Sandstein eingeritzt. Teils sind die Künstler offenbar auf schmale Felsvorsprünge geklettert und haben ihr Leben riskiert, um diese Felsbilder dort zu hinterlassen, wie die Forschenden mithilfe von Drohnenaufnahmen herausfanden. Die Kunstwerke zeigen vor allem an Trockenheit gewöhnte Arten: Kamele, Steinböcke, Pferde und Gazellen. 130 der Gravuren stellen die Tiere in Lebensgröße dar, manche sind bis zu drei Meter lang und zwei Meter hoch. Andere sind hingegen Miniatur-Darstellungen von Kamelen, Bilder von Menschen, Gesichtern und Kamelfußabdrücken.







