Bei der Darstellung von Epilepsie und ähnlichen Erkrankungen greifen Filme häufig auf überholte Stereotypen zurück, berichtet eine britische Wissenschaftlerin im Fachmagazin Lancet Neurology (Dezember-Ausgabe, S. 764). Innerhalb der vergangenen 75 Jahre lässt sich allerdings ein Trend zur offeneren Thematisierung von Epilepsie feststellen.
In Filmen fanden sich Beispiele für die ganze Bandbreite überkommener Vorurteile über Epilepsie, wie etwa göttliche oder dämonische Besessenheit, Genialität, Wahnsinn und Kriminalität. Zudem gibt es in der Darstellung weiblicher und männlicher Charaktere, die an Epilepsie oder Erkrankungen leiden, deutliche Unterschiede.
Frauen mit Epilepsie werden häufig als sehr verletzlich oder aber als intrigant geschildert, stellte Sallie Baxendale vom University College in London fest. Bei der Darstellung männlicher Charaktere zeigten sich zwei Tendenzen: Litten sie an sogenannter ideopathischer Epilepsie, der keine krankhafte Veränderung des Gehirns zugrunde liegt, waren sie bösartig, verrückt und meist gefährlich. Waren männliche Figuren erst nach einem traumatischen Ereignis erkrankt, erschienen sie als strahlende Helden, die über das Böse triumphieren.
Baxendale untersuchte 62 Filme aus den vergangenen 75 Jahren, in denen Epilepsie, epileptische Anfälle oder Anfälle mit anderen Ursachen thematisiert werden. Über die Hälfte der Filme stammte aus den USA und etwa ein Viertel aus europäischen Ländern. Ähnliche Untersuchungen hatten in der Literatur seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Tendenz festgestellt, an Epilepsie leidende Menschen als lediglich krank, nicht als besessen zu beschreiben. Demgegenüber halten Filme an den alten Stereotypen fest, gehen allerdings zunehmend offener mit dem Thema Epilepsie um, fand Baxendale heraus.
ddp/bdw ? Katharina Vogelmann





