Der erdnahe Asteroid (101955) Bennu steht schon seit einigen Jahren im Fokus der Forschung. Denn dieser rund 500 Meter große und 60 Millionen Tonnen schwere Asteroid könnte der Erde in ferner Zukunft gefährlich nahekommen, gleichzeitig gilt er als besonders spannendes Relikt aus der Frühzeit des Sonnensystems. Um mehr über Bennu zu erfahren, hat die NASA ihre Raumsonde OSIRIS-REx zum Asteroiden geschickt. Diese sammelte ab 2018 zunächst Daten, dann nahm sie im Jahr 2020 Proben von Bennus Oberfläche und brachte sie 2023 zur Erde zurück.
Rätselhafte Doppelnatur
Die Messdaten und ersten Probenanalysen zeigten eine überraschend komplexe Zusammensetzung des Asteroiden: Bennu enthält demnach gebundenes Wasser, Eis und Minerale, die aus salzhaltigen Flüssigkeiten entstanden sein müssen. Dies legt nahe, dass der Asteroid im kalten, äußeren Bereich des Sonnensystems und seiner protoplanetaren Scheibe entstanden sein muss. Gleichzeitig fanden sich in den Bennu-Proben jedoch auch kohlenstoffhaltige Minerale und Silikate, deren Zusammensetzung auf einen Ursprung in Sonnennähe hinweist.
Wie ist diese „Doppelnatur“ des Asteroiden zu erklären? Einige Astronomen vermuten, dass Bennu relativ spät und weit außen entstanden sein muss, jenseits von Jupiter und Saturn. „Dieses Modell suggeriert, dass sich Chondriten des seltenen Ivuna-Typs in derselben Region bildeten wie Kometen und dass sie erst später durch Wechselwirkungen mit Uranus und Neptun in das innere Sonnensystem transportiert wurden“, erklären Maria Schönbächler von der ETH Zürich und ihr Team. Allerdings passen einige Analyseergebnisse nicht zu diesem Szenario.

Blick von oben in die Probenkapsel der OSIRIS-Rex-Mission. Sie brachte Material vom Asteroiden Bennu zurück zur Erde. — © NASA/Erika Blumenfeld & Joseph Aebersold






