Asteroiden sind das neue “heiße” Ziel in der Raumfahrt – und das aus gleich zwei Gründen. Zum einen liefern sie wertvolle Informationen über die Vergangenheit unseres Sonnensystems. „Asteroiden und Kometen sind Zeitkapseln aus den frühesten Anfängen unseres Sonnensystems“, erklärt Keiko Nakamura-Messenger vom Johnson Space Center der NASA. „Diese primitiven Himmelskörper könnten uns daher Antworten dazu liefern, welche organischen Substanzen es auf der frühen Erde gab.“ Zum anderen aber stellen erdnahe Asteroiden eine potenzielle Gefahr für die Erde dar. Denn sie könnten eines Tages auch auf unserem Planeten einschlagen. Umso wichtiger ist es, ihre Flugbahngenau zu überwachen und so viel wie möglich über die Faktoren herauszufinden, die ihr Flugverhalten beeinflussen.
Signatur gebundenen Wassers
All diese Informationen soll nun in den nächsten Monaten die NASA-Raumsonde OSIRIS-REx beschaffen. Die 2016 gestartete Sonde hat in den letzten Jahren eine gut zwei Milliarden Kilometer lange Reise zum erdnahen Asteroiden Bennu zurückgelegt. Der rund 500 Meter große Gesteinsbrocken gilt als einer der Erdbahnkreuzer, die der Erde potenziell gefährlich werden könnten: „Bei Bennu besteht ein Risiko von 1:2.700, dass er die Erde irgendwann zwischen 2100 und 2200 treffen könnte“, erklärt Nakamura-Messenger. Um für diesen Fall eine Abwehr zu entwickeln, muss genau bekannt sein, wie Bennu zusammengesetzt ist. Deshalb soll OSIRIS-Rex den Asteroiden nicht nur erkunden, sondern auch erstmals Proben von ihm nehmen und zurück zur Erde bringen.
Vor wenigen Tagen, am 5. Dezember 2018, hat OSIRIS-Rex ihr Ziel erreicht – und schon bei ihrer Annäherung erste überraschende Daten geliefert. Zwei Instrumente an Bord der Sonde – ein Spektrometer für sichtbares und infrarotes Licht und ein Spektrometer für thermische Strahlung – haben Indizien dafür geliefert, dass es auf Bennu Wasser geben könnte. Beide Spektrometer wiesen an mehreren Stellen die Präsenz von Hydroxyl-Molekülen (OH) im Oberflächengestein des Asteroiden nach, wie die NASA berichtet. Diese Moleküle aus je einem Sauerstoff und einem Wasserstoffatom gelten als Indiz dafür, dass es gebundenes Wasser in den Mineralen des Gesteins gibt. “Es ist sehr aufregend, diese hydratisierten Minerale auf Bennus Oberfläche verteilt zu sehen”, sagt Ellen Howell von der University of Arizona, Mitglied im Forscherteam der Mission. “Denn dies spricht dafür, dass sie ein ureigener Teil von Bennus Materialzusammensetzung sind – und nicht nur durch einen Impakt auf ihm gelandet sind.”
“Die richtige Wahl”
Das Interessante an dieser Entdeckung: Die Präsenz der Hydroxyle spricht dafür, dass Bennus Gestein irgendwann in der Vergangenheit mit Wasser interagiert haben muss. Zwar ist der Asteroid zu klein, um selbst längere Zeit flüssiges Wasser besessen zu haben. Doch die Forscher schließen nicht aus, dass er seine Wasserrelikte von dem weit größeren Mutterasteroid geerbt hat, aus dem er einst entstand. “Dieser Fund könnte eine wichtige Verbindung liefern zwischen dem, was im Weltall mit Asteroiden wie Bennu passiert und dem, was wir bei Meteoriten finden, die wir im Labor untersuchen”, erklärt Howell.





