von RÜDIGER VAAS
Alles Gute kommt nicht von oben. Immer wieder haben Erdbahnkreuzer – Planetoiden und Kometenkerne – unseren Planeten malträtiert. Der Einschlag am Ende der Kreidezeit war die letzte derartige globale Katastrophe, wie sie sich im Durchschnitt etwa einmal in 100 Millionen Jahren ereignet. Früher gab es noch gewaltigere Karambolagen. So geht die zwei Milliarden Jahre alte und einst bis zu 250 Kilometer große Vredefort-Struktur in Südafrika auf einen vielleicht 20 bis 25 Kilometer messenden Himmelskörper zurück. Zuvor fielen noch größere Bomben auf die Erde. In uralten Gesteinen wurden mindestens 16 Hinweise identifiziert, darunter ein 3,26 Milliarden Jahre altes Ereignis in Südafrika, dessen Verursacher 40 bis 60 Kilometer maß. Und vor 4,5 Milliarden Jahren kollidierte sogar ein marsgroßer Urplanet mit der Protoerde, aus deren gemeinsamen, ins All gesprengten Trümmern sich dann der Mond bildete.
Auch in geologisch jüngerer Zeit war die Erde immer wieder ein Einschlagsziel – mit verheerenden Folgen für die ge- und betroffene Region. In Süddeutschland beispielsweise zeugen davon das 14,8 Millionen Jahre alte Nördlinger Ries und Steinheimer Becken. Und selbst die Explosion eines zerrissenen Meteoriten von zwei, drei Dutzend Meter Durchmesser kann eine ganze Großstadt vernichten. Das Tunguska-Ereignis vom 30. Juni 1908 im abgelegenen Sibirien belegt eine solche Zerstörungskraft. Zu derartigen Detonationen kommt es statistisch etwa alle 100 Jahre – zum Glück meistens über einem Ozean oder unbewohnten Gebiet.
Erdbahnkreuzer im Visier
Bislang war die Menschheit wehrlos. Doch das ändert sich jetzt. Zum einen lassen sich viele potenzielle Gefahren dank astronomischer Beobachtungen überhaupt erst aufspüren. Zum anderen könnten bedrohliche Erdbahnkreuzer notfalls von ihrem Kurs abgelenkt werden – genug Vorlaufzeit vorausgesetzt, die in den meisten Ernstfällen aber gegeben wäre: oft mehrere Jahrzehnte. Schon winzige Bahnabweichungen mithilfe gezielter Kollisionen oder Explosionen beziehungsweise – ambitionierter – mit Laserstrahlen, angeflanschten Sonnensegeln oder Raketenmotoren wären ausreichend und mit herkömmlicher Technologie notfalls möglich, zumindest bei kleineren Objekten.
Seit den 1980er-Jahren suchen Astronomen mit immer besserer Systematik und Sensitivität gezielt nach NEOs (Near-Earth Objects), also nach Planetoiden und Kometen, deren Bahnen um die Sonne dem Erdorbit nahekommen oder sich mit ihm überschneiden. Im letzten Jahrzehnt sind dank effizienter Himmelsdurchmusterungen rund 27.000 Exemplare aufgespürt und gut erfasst worden – über die Hälfte aller inzwischen bekannten. (Das NEO-Koordinationszentrum der Europäischen Weltraumagentur ESA verzeichnet momentan über 42.500 Objekte, davon 124 Kometen: https://neo.ssa.esa.int).






