Heute sind nur noch gefrorene Überbleibsel erkennbar, doch in seiner Jugend war der Mars von flüssigem Wasser geprägt, legen geologische Spuren auf seiner Oberfläche nahe. Im Laufe der Zeit entfleuchte der Wasserschatz dann allerdings ins Weltall beziehungsweise versickerte in den Untergrund des Planeten, heißt es. Darüber, wie viel Wasser es ursprünglich einmal gegeben haben könnte, gibt es allerdings unterschiedliche Ansichten.
Einigen Planetenforschern zufolge waren ausgedehnte Ebenen im Norden des Mars zeitweise von Wasser erfüllt, denn dort zeichnen sich noch heute Strukturen ab, die als Reste einstiger Küstenlinien interpretiert werden. Man vermutet, dass sich dieser Marsozean vor etwa 3,7 Milliarden gebildet hat, nachdem ein markantes Merkmal des Planeten entstanden war: die sogenannte Tharis-Region. Dieses 5000 Kilometer breite vulkanische Gebiet erhebt sich im Bereich des Äquators und umfasst die Überreste von Schildvulkanen, die zu den größten in unserem Sonnensystem gehören.
Scheinbare Ungereimtheiten
Die Theorie von dem einstigen großen Meeresgebiet im Norden weist allerdings zwei kritische Aspekte auf. Schätzungen seiner Größe scheinen nicht zu Annahmen zu passen, wie viel Wasser es einst auf dem Mars gegeben haben könnte. Was heute noch in den polaren Eiskappen steckt, reicht für einen ganzen Ozean nicht aus und auch nicht Schätzungen dazu, was heute als Permafrost unter der Oberfläche stecken könnte beziehungsweise wie viel Wasser einst in den Weltraum entfleucht ist. Mit anderen Worten: Es scheint unklar, wohin das angebliche Ozeanwasser verschwunden sein sollte.
Der zweite kritische Punkt betrifft die vermuteten Spuren der Küstenlinien. Sie erscheinen sehr unregelmäßig – ihre Höhenlagen variieren um bis zu einen Kilometer. Dies lässt fragwürdig erscheinen, ob es sich wirklich um Überbleibsel einer einstigen Meeresküste handelt. Das neue Modell der Forscher um Michael Manga von der University of California in Berkeley liefert nun Erklärungsmöglichkeiten für diese beiden kritischen Aspekte im Zusammenhang mit der vermuteten Existenz einer einstigen Meeresregion im Norden.
Das neue Modell besagt, dass sich der Ozean erstmals vor oder gleichzeitig mit der Tharsis-Region gebildet hat und zwar schon vor etwa vier Milliarden Jahren anstatt erst nach deren Entstehung vor 3,7 Milliarden Jahren. Weil Tharsis zu dieser Zeit noch klein war, veränderte das Vulkangebiet die Landschaftsformen des Planeten nicht so sehr wie später. Das gilt besonders für die Ebenen, die den größten Teil der nördlichen Hemisphäre bedecken und den vermuteten einstigen Meeresboden bildeten, erklären die Forscher. Bevor sich die Oberfläche durch die Bildung des Vulkansystems veränderte, war die Region flacher und damit das vermutete Meeresgebiet weiniger tief. Es hätte dadurch nur etwa die Hälfte des Wassers früherer Schätzungen enthalten, sagen die Forscher.





