Ein angenehmer Geruch in der Nase lässt andere Menschen sympathischer erscheinen, haben amerikanische Psychologen nachgewiesen: Bereits winzige Duftspuren bestimmen, ob ein neutrales Gesicht als eher ansprechend oder als eher unangenehm empfunden wird. Dieser Effekt tritt jedoch nur auf, wenn der Geruch unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegt ? ist er stärker, verschwindet der Sympathiebonus sofort. Das Ergebnis zeige einmal mehr, wie stark emotionale Situationen von unbewussten Sinneseindrücken geprägt werden.
Vor Beginn der Studie ließen die Forscher 31 Freiwillige an Flüssigkeiten schnuppern, die einen angenehmen Zitrusduft, einen neutralen Geruch nach Ether oder einen unangenehmen Schweißgeruch in unterschiedlichen Intensitäten verströmten. Anschließend wurden den Probanden jeweils zwanzig Bilder von Gesichtern mit neutralem Gesichtsausdruck gezeigt, die sie auf einer Skala zwischen “sehr sympathisch” und “sehr unsympathisch” einordnen sollten.
Die Duftstoffe veränderten messbar die Beurteilung der Gesichter, zeigte die Auswertung: Ein unangenehmer Geruch ließ die Gesichter unsympathischer erscheinen, während ein angenehmer sie sympathischer machte. Das galt allerdings ausschließlich für die Probanden, bei denen die Duftstoffe so stark verdünnt gewesen waren, dass sie sie nicht bewusst wahrgenommen hatten. Bei denjenigen, die die Düfte bemerkt hatten, verschoben sich die Sympathiewerte dagegen nicht.
Ein angenehmer oder auch unangenehmer Sinneseindruck verursacht grundsätzlich eine emotionale Reaktion, die auf die folgenden Sinnesreize übertragen wird und deren gefühlsmäßige Beurteilung verändert, erklären die Forscher das Prinzip. Das funktioniert jedoch nur, solange die höheren Hirnfunktionen wie das rationale Denken nicht beteiligt sind. Denn sobald das Bewusstsein diese emotionale Voreingenommenheit bemerkt, setzt es eine Gegensteuerung in Gang, die diesen Einfluss herausrechnet.
Diesen Effekt gibt es nicht nur bei Gerüchen, sondern auch bei optischen und akustischen Reizen. Bei Gerüchen ist er jedoch besonders stark, weil deren Wahrnehmung direkt an das Gefühlszentrum des Gehirns gekoppelt ist. Das hat sich während der frühen Evolution des Menschen möglicherweise so gut bewährt, dass sich daraus ein hochempfindlicher Kanal für die Wahrnehmung unangenehmer und damit bedrohlicher Geruchsbotschaften entwickelt hat, spekulieren die Forscher. “Folglich können wir nur hoffen, dass die feinen Gerüche, die wir absondern, einen angenehmen Eindruck auf andere Menschen machen”, lautet ihr Fazit.
Wen Li (Northwestern University in Chicago) et al.: Psychological Science, Bd. 18, S. 1044 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





