Vor 66 Millionen Jahren traf ein riesiger Asteroid die Erde und leitete das Ende der Kreidezeit, des Zeitalters der Dinosaurier, ein. Die Umweltbedingungen änderten sich so gravierend, dass etwa drei Viertel der damals lebenden Tier- und Pflanzenarten ausstarben. Zugleich entstanden durch die Veränderungen des Klimas und der Landschaften neue ökologische Nischen, die zur Entwicklung und Verbreitung neuer Arten führten. Vögel und Säugetiere diversifizierten sich und auch zahlreiche neue Pflanzen entstanden in dieser Zeit.
Älteste Traubensamen Amerikas
Zu den in dieser Zeit neu aufkommenden Pflanzen zählten auch die Weinrebengewächse, denen wir heute Trauben, Wein und Rosinen verdanken. Die ältesten bekannten fossilen Traubensamen stammen aus Indien und wurden auf ein Alter von 66 Millionen Jahren datiert. Ein Team um Fabiany Herrera vom Field Museum of Natural History in Chicago hat nun weit davon entfernt, in Kolumbien, fossile Traubensamen entdeckt, die nahezu ebenso alt sind: 60 Millionen Jahre. „Dies sind die ältesten Trauben, die jemals in diesem Teil der Welt gefunden wurden, und sie sind nur wenige Millionen Jahre jünger als die ältesten, die jemals auf der anderen Seite des Planeten gefunden wurden“, sagt Herrera. „Diese Entdeckung ist wichtig, weil sie zeigt, dass sich Weintrauben nach dem Aussterben der Dinosaurier wirklich über die ganze Welt verbreitet haben.“
Mit Hilfe von Computertomographie-Scans untersuchten die Forschenden die Struktur der Samen im Detail und bestätigten, dass es sich tatsächlich um eine neue Art handelt, der sie den Namen Lithouva susmanii gaben. „Diese neue Art ist auch deshalb wichtig, weil sie einen südamerikanischen Ursprung der Gruppe belegt, in der sich die gewöhnliche Weinrebe Vitis entwickelt hat“, erklärt Co-Autor Gregory Stull vom National Museum of Natural History in Washington. Zu dieser Gattung zählen alle heute kommerziell genutzten Weinreben.
Umweltveränderungen begünstigten Ausbreitung
Die Umweltveränderungen nach dem Ende der Kreidezeit legten wahrscheinlich die Grundlage für die Entwicklung und Ausbreitung der Weinrebengewächse. „Die Auswirkungen des Aussterbeereignisses am Ende der Kreidezeit haben die Entwicklung der Wälder des nördlichen Südamerikas tiefgreifend verändert, indem sie die Entstehung von Biomen mit geschlossenem Kronendach und vielschichtigen Regenwaldstrukturen begünstigt haben“, erklären die Forschenden. Zuvor hatten die riesigen Dinosaurier die Wälder offener und lichter gehalten, unter anderem, indem sie immer wieder Bäume umrissen, die ihnen im Weg waren.
Die veränderte Struktur der Regenwälder ließ viele Pflanzen aussterben, bot aber auch eine Chance für neue, angepasste Arten: „In den Fossilien finden wir zu dieser Zeit immer mehr Pflanzen, die sich wie Weinreben an den Bäumen hochranken“, sagt Herrera. Die Diversifizierung von Vögeln und Säugetieren in den Jahren nach dem Massenaussterben könnte den Trauben ebenfalls geholfen haben, da sie auf diese Weise ihre Samen leichter verbreiten konnten.





