Die Zunge hat einen sechsten Sinn: Sie nimmt nicht nur süß, sauer, salzig, bitter und – wie seit einiger Zeit bekannt – „ umami”, den Geschmack von Fleisch, wahr. Sie kann auch Fett schmecken. Stimuliert wird dieser Sinn vor allem durch die langen fadenförmigen Anteile der Fettmoleküle, die Fettsäuren. Entdeckt hat das ein Forscherteam aus Australien. Freiwilligen Testpersonen war es gelungen, verschiedene Fettsäuren in unterschiedlichen Konzentrationen aus einer sonst geschmacklosen Lösung herauszuschmecken und vier Puddingsorten nach ihrem Fettgehalt zu sortieren. Es muss im Mund also irgendein System geben, das auf Fett beziehungsweise die darin enthaltenen Fettsäuren reagiert, folgerten die Wissenschaftler um Russel Keast von der Deakin University.
Noch spannender ist der zweite Teil der Studie, in dem die Forscher weitere 54 Probanden einem ähnlichen Geschmackstest unterzogen: Zwar konnten hier ebenfalls alle Testteilnehmer die Fettsäure schmecken – wie gut sie dabei abschnitten, war jedoch extrem unterschiedlich. Während die meisten nur eine leidlich empfindliche Zunge hatten, waren zwölf der Probanden extrem sensibel für Fettsäuren – und genau diese zwölf Teilnehmer waren mit Abstand die schlanksten aus der Gruppe, ernährten sich am wenigsten fettreich und aßen auch sonst sehr kalorienbewusst. Das kann kein Zufall sein, sind die Forscher überzeugt: Sie vermuten, dass der Körper von Menschen mit einem schlechtem Fett-Geschmackssinn einfach nicht bemerkt, wie viel Fett er bereits aufgenommen hat und deswegen die Lust auf den energiereichen Nährstoff nicht dämpft.
Sollte sich das bestätigen, hätten Fett-Junkies die perfekte Ausrede gefunden: Sie könnten ihr unzähmbares Verlangen nach Chips, Schokolade und Co einfach auf ihre unempfindliche Zunge schieben. Doch es gibt noch ein Problem: Die Forscher können bislang nicht sagen, auf welche Weise der Fett-Geschmack wahrgenommen wird.





