Die Menschheit wird dicker und dicker: Weltweit hat die Zahl der Dicken und Fettleibigen im Laufe der vergangenen Jahrzehnte stetig zugenommen. Als Treiber dieser ungesunden Entwicklung galt bislang vor allem die Urbanisierung. Denn parallel zum Übergewicht ist auch der Anteil der in Städten lebenden Bevölkerung gestiegen. Mögliche Erklärungen für diesen Zusammenhang lassen sich schnell finden: Im städtischen Umfeld haben die Menschen leichteren Zugang zu stark verarbeiteten Lebensmitteln, an jeder Ecke lockt ein Fastfood-Restaurant oder ein Café. Hinzu kommt, dass es in der Stadt mehr Bürojobs gibt, die körperlich wenig beanspruchend sind. Auf dem Land dagegen schuften die Menschen auf Bauernhöfen, in der Forstwirtschaft oder im Bergbau, ernähren sich hauptsächlich von vor Ort produzierten, unverarbeiteten Lebensmitteln – und sind deshalb schlanker.
Unterschiede zwischen Stadt und Land
Doch stimmt das auch? Bisherige Studien zu diesem Thema stützen sich auf sehr begrenzte Daten und beziehen sich meist auf wenige Länder oder kurze Zeiträume, wie Forscher der NCD Risk Factor Collaboration um Majid Ezzati vom Imperial College London erklären. Um dies zu ändern, hat das internationale Wissenschaftlerteam nun eine umfangreiche Meta-Analyse durchgeführt. Sie wollten wissen: Wie hat sich der Body-Mass-Index (BMI) weltweit im Zeitraum von 1985 bis 2017 verändert? Der BMI ist definiert als Körpergewicht in Kilogramm durch Körpergröße in Metern zum Quadrat. Für ihre Studie werteten die Forscher insgesamt 2009 Studien mit BMI-Daten von mehr als 112 Millionen Erwachsenen aus 200 Ländern aus. Das Ergebnis: Global gesehen ist der BMI in den letzten 30 Jahren im Schnitt um zwei Einheiten bei Frauen und um 2,2 bei Männern gestiegen. Das entspricht einer durchschnittlichen Gewichtszunahme jedes Menschen von fünf bis sechs Kilogramm.
Das Überraschende aber: Entgegen der gängigen Annahme ist dieser Anstieg nicht nur durch Entwicklungen im städtischen Bereich zu erklären – im Gegenteil. Mehr als 55 Prozent des globalen BMI-Anstiegs geht auf ländliche Populationen zurück. In einzelnen Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen war der ländliche Bereich sogar für mehr als 80 Prozent der beobachteten Zunahme verantwortlich, wie die Forscher berichten. Konkret bedeutet das: Waren 1985 in mehr als drei Vierteln der untersuchten Länder die Städter noch dicker als die Landbewohner, scheint sich dieser Trend inzwischen zu verändern. Die Gewichtslücke zwischen Stadt und Land wird immer kleiner – und mancherorts hat sich das Verhältnis bereits umgekehrt.





