
Die Restauratoren befreiten das Gemälde zunächst von einer alten Schicht Schutzlack. Darunter offenbarte sich dann ein strahlendes Meisterwerk. Denn der Eindruck einer wenig qualitätvollen Arbeit war vor allem dem schmutzgelben Lack geschuldet. Zudem untersuchten die Restauratoren das Bild mithilfe verschiedener naturwissenschaftlicher Methoden – sie führten eine Analyse der Farbpigmente durch und durchleuchteten das Gemälde mit Röntgen- und Infrarotstrahlen. Dabei entdeckten die Experten Vorzeichnungen, die auch korrigiert wurden. „Das wäre ungewöhnlich für eine Nachahmung“, sagt Rachel Turnbull, leitende Restauratorin von English Heritage, und ergänzt: „Das Gemälde gleicht sehr den Bildern aus der Werkstatt von Botticelli – stilistisch ist es zu ähnlich, um eine Fälschung zu sein. Es ist technisch korrekt, es stammt aus derselben Zeit und ist auf Pappelholz gemalt – ein Material, das damals häufig genutzt wurde.“
Assistenten unterstützten Botticelli
Botticelli war ab 1470 ein erfolgreicher Maler und beschäftigte in seiner Werkstatt in Florenz mehrere Assistenten, um der großen Nachfrage gerecht zu werden. Viele Kunden beauftragten Botticelli, seine bereits berühmten Gemälde in geringerer Größe, veränderter Komposition und mit weniger Details zu malen. Diese konnten sie zu einem günstigeren Preis erwerben.
So auch bei diesem Bild: Es sind vier statt sechs Engel wie im ursprünglichen Gemälde abgebildet. Sie halten Bibelbücher in der Hand und stehen zu zweit jeweils links und rechts von Maria. Maria und das Jesuskind umfassen gemeinsam einen aufgeplatzten Granatapfel: Die große Zahl an Kernen dieser Frucht kann als Symbol für die vielen Leiden Christi verstanden werden, denen er entgegenblickt.
Ab dem 1. April 2019 ist das Gemälde in der Kunstsammlung Julius Wernhers im Ranger’s House ausgestellt, einer Villa im Greenwich Park in London. Sein Vorbild hängt in den Uffizien in Florenz.





