Der Schöpfer von AlphaGO und eine Hackerin für den guten Zweck
Demis Hassabis erlebte im März 2016 das härteste Match seines Lebens. Denn seine Schöpfung, die künstliche Intelligenz AlphaGO, musste sich ihrer schwersten Bewährungsprobe stellen. Sie trat in einem fünf Spiele-Turnier im asiatischen Brettspiel Go gegen Sedol Lee an, einem der weltweit führenden Champions in diesem Spiel. Wegen der Vielzahl der möglichen Positionen und Abfolgen von Spielzügen ist Go extrem komplex – die Zahl der Spielvarianten übersteigt die im Schach bei weitem. Deshalb galt es lange als unmöglich, dass ein Computer einen Go-Meister schlagen kann. Hassabis jedoch, selbst ein Schachwunderkind, ließ sich nicht abschrecken. Er gründete 2010 die Firma DeepMind und machte sich daran, ein lernfähiges, auf neuronalen Netzen aufgebautes Maschinenhirn zu entwickeln. Dieser AlphaGO getauften KI brachte er das Spiel Go bei. Bereits im Januar 2016 sorgte AlphaGO für eine Sensation, als er den europäischen Meister im Go mit 5:0 besiegte. Im März 2016 folgte der nächste Tiefschlag für die menschliche Eitelkeit: AlphaGO gewann auch das Turnier gegen Sedol Lee. “Dies markiert einen gewaltigen Sieg für das Feld der künstlichen Intelligenz – und einen persönlichen Triumpf für Hassabis”, schreibt “Nature”.
Um Computer geht es auch bei Alexandra Elbakyan. Als die Informatikerin Fachliteratur für ihre Abschlussarbeit an der Universität von Almaty in Kasachstan benötigte, scheiterte sie am Geld. Denn weder sie noch ihre Universität konnten die hohen Preise bezahlen, die die renommierten Fachmagazine für Einzelartikel oder Abonnements fordern. Wütend über diese Benachteiligung entschloss sich Elbakyan, sich ihre Fachartikel kurzerhand durch Hacken der Paywalls zu beschaffen. Bald sprach sich dies herum und auch andere Forscher baten die IT-Expertin, ihnen die dringend benötigte Fachliteratur zu beschaffen. 2011 setzte Elbakyan die Piraten-Website Sci-Hub auf, die automatisiert gehackte Paper zum Download bereitstellte. Inzwischen umfasst die Seite rund 60 Millionen Fachartikel – Copyrightbruch in großem Stil. Die Konsequenz: Elbakyan hat inzwischen eine Klage am Hals und hält sich zu ihrem Schutz an einem geheimen Ort auf. Nach Ansicht von “Nature” jedoch macht die Informatikerin mit ihrer illegalen Website auf ein großes Problem der heutigen Wissenschaft aufmerksam: Die hohen Preise vieler Fachmagazine unterminieren die Chancengleichheit und benachteiligen so ärmere, aber deswegen nicht weniger brillante Wissenschaftler.
LIGO, Red Dot und ein Kind mit drei Eltern
Um Geheimhaltung, wenn auch auf andere Weise, ging es bei einem weiteren Menschen des Jahres: bei Gabriela Gonzalez, der Sprecherin der LIGO-Kollaboration. Ihr Job war es nicht nur, die Forschungsarbeit der mehr als tausend Wissenschaftler zu koordinieren, die an der Suche nach Gravitationswellen beteiligt waren. Sie musste auch monatelang dafür sorgen, dass vom ersten Nachweis dieser Rippel in der Raumzeit nichts nach außen drang. Die Forscher wollten erst dann an die Öffentlichkeit gehen, wenn sie ihre Daten bis ins Letzte auf Messfehler und andere mögliche Quellen falschpositiver Signale abgeklopft hatten. Am 11. Februar 2016 war es dann soweit: Gonzalez konnte den ersten Nachweis der Gravitationswellen verkünden – eine Weltsensation. Ebenfalls im Weltall findet sich das Forschungsobjekt von Guillem Anglada-Escudé, dem Entdecker des erdähnlichen Planeten um unseren Nachbarstern Proxima Centauri. Er entwickelte eine Methode, mit der Exoplanetensignale besser aus den Daten des HARPS-Spektrographen an der Europäische Südsternwarte in Chile extrahiert werden können. Überzeugt davon, dass es Planeten auch in unserem kosmischen “Hinterhof” geben müsse, initiierte Anglada-Escudé dann eine gezielte Suche nach einem Planeten um Proxima Centauri. Mit Erfolg: Seine “Red Dot”-Kampagne fand das gesuchte Planetensignal.





