Das sprachliche Vorspiel dient der Hinführung zu dem Thema, das in der Quantenphysik als Messproblem bezeichnet wird. Dieses tritt etwa auf, wenn man vorhat, den Ort eines Elektrons zu bestimmen. Dabei wird aus den wolkenähnlichen Möglichkeiten einer Welle atomarer Ausmaße eine punktförmige Realität mit definierter Position. Und obgleich die experimentell orientierte Fachwelt damit zurechtkommt, erörtern die Theoretiker nach wie vor, was genau dabei passiert.
Bereits in den 1920er-Jahren tauchte der Vorschlag auf, die Ortsbestimmung eines Elektrons führe zum Kollaps seiner Wellenfunktion, was ein definiertes Ergebnis ergibt und alle übrigen Möglichkeiten verschwinden lässt oder löscht. Doch natürlich beendet solch eine Weg-damit-Erklärung keineswegs die Diskussion des „measurement mystery“, wie es im Englischen heißt. Sie kam im Gegenteil in den 1970er-Jahren erst richtig in Schwung, als sich die Physiker klarmachten, dass Messungen nicht nur im Laboratorium, sondern unentwegt und überall in der Welt vorkamen: Jedes Luftmolekül, das auf ein Elektron trifft, nimmt an dem begegneten Quantenobjekt eine Messung vor, wodurch kurioserweise dessen Quantenhaftigkeit aufgehoben wird. Das getroffene Elektron mit seiner kollabierten Wellenfunktion hat ja seinen bestimmten Ort, und so schien die Physik verstehen zu können, warum die Welt zwar aus quantenhaften Gebilden mit all ihren Möglichkeiten besteht, diese Sphäre des Potenziellen im Alltag aber unbemerkt bleibt. Im Normalfall sausen zu viele Objekte durch die Gegend, die alle ihre Messungen machen und so die klassische Welt entstehen lassen.
Die Löschung des Quantenhaften im Mikrokosmos wurde als Dekohärenz bezeichnet, was man sich am besten als die Änderung vorstellen kann, die ein ursprünglich abgeschlossenes System erfährt, wenn es mit seiner Umgebung in Wechselwirkung tritt und sein Zusammenhängen – seine Kohärenz – aufgibt. In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends wurde die Idee der Dekohärenz erweitert und dafür verantwortlich gemacht, dass bei dieser Wechselwirkung die Information eines Systems in seine Umgebung abfließt.
Wer dies genauer verstehen will, muss Quantenmechanik mit Thermodynamik kombinieren. Mit beiden zusammen erhoffte man, Dekohärenz rückgängig machen zu können, und auch wenn es kaum zu glauben ist, solch ein Vorgang ist beobachtet worden. Dies hat zu der Idee geführt, dass es bei einem Messvorgang zu einem Gleichgewicht an Informationen zwischen den vermessenen und den zu vermessenden Atomen kommt. Was für eine Überraschung. Gewöhnlich steht ein Gleichgewicht am Ende einer Geschichte. Hier kann man mit ihm beginnen und die Welt erkunden. Nicht zu glauben.





