Die Rückbesinnung auf die Vielfalt in den Gen-Banken zieht sich durch die gesamte Pflanzenzüchtung. Ein Beispiel liefert das Institut für Obstzüchtung gemeinsam mit der Bundesanstalt für Züchtungsforschung in Quedlinburg: Den Forschern fiel auf, dass die alte französische Erdbeere Mara de Bois und die deutsche Mieze Schindler bei Verkostungen stets auf den vorderen Plätzen landen. Supermarktfrüchte schneiden dagegen schlecht ab. „Die schmecken eher nach Gurke als nach Erdbeere”, schimpft der Chemiker Detlef Ulrich vom Forschungsinstitut in Quedlinburg. Die Früchte wurden jahrelang auf Ertrag und Festigkeit getrimmt. „ Dabei sind die Inhaltsstoffe der genetischen Erosion zum Opfer gefallen”, bedauert Ulrich. Als er das Aroma von 70 verschiedenen Erdbeerpflanzen untersuchte, punkteten vor allem Raritäten wie die mongolische Wildbeere Fragaria mandshurica. Ebenso wie Mieze Schindler ist sie reich an Frucht-Estern. Das intensive Aroma der Wildfrüchte wird jedoch von einem bitteren Nachgeschmack begleitet, der die Gaumenfreude trübt. Die Supermarkt-Sorte Elsanta ist dagegen äußerst geruchsarm, dafür aber süß und mild. Mehr Aroma würde den Früchten gut tun, befand Ulrich nach seinem Test und kreuzte Fragaria mandshurica mit der heimischen Walderdbeere, bis das Ergebnis Elsanta um das Fünffache übertraf. „Die Beere schmeckt fantastisch. Aber sie ist so weich, dass sie für den Handel noch nicht taugt”, berichtet er. Unter acht Jahren Entwicklungszeit sei eben bei Erdbeeren nichts zu machen.





