Die Misere ist von den Universitäten – und damit von den zuständigen Länderministerien – selbst gemacht. Die regelmäßig zu hörenden Klagen über die ach so geringen Hochschulabsolventenzahlen in Deutschland können nur als scheinheilig bezeichnet werden.
Dass unter den Bachelor-Studenten so viele an sich zweifeln und Hilfe benötigen, liegt zu nicht geringen Teilen an der Missachtung der Dublin-Deskriptoren (offizielle Dokumentation der Studienziele, Anm.d.Red.), die aus guten Gründen ein differenziertes Niveau für Bachelor- und Master-Anforderungen aufstellen. Sie werden in den Studieninhalten und Prüfungsanforderungen häufig schlicht ignoriert.
Das erklärt, warum zum Beispiel die Durchfallquoten der Physik-Bachelor-Studenten in den Mathematikklausuren an vielen Universitäten bei bis zu 50 Prozent liegen. Einem Bachelor-Studenten sind mathematische Handwerkszeuge zu vermitteln, nicht aber Mathematik als Philosophie oder Kunst. Ein weiteres Beispiel für nicht akzeptables „Unterrichten” ist, wenn Professoren in der Anfängervorlesung die Fülle in den Hörsälen so kommentieren: „Die Enge wird sich legen, denn wir werden innerhalb des ersten Jahres dafür sorgen, dass ein Drittel von Ihnen nicht mehr hier sein wird.”
All das ist nicht nur eine unglaubliche Verschwendung von öffentlichen Geldern, sondern neben der schlimmen Demotivation der Studierenden auch ein Verbrennen von privatem Geld, das die Eltern aufbringen müssen.
Dipl.-Phys. Andreas Ernst-Elz, per E-Mail
Ob das Bachelor-System sinnvoll ist, richtet sich doch danach, ob die Wirtschaft diese Abschlussform braucht. In der DDR hatte man zeitweise neben dem „Diplom-Physiker” auch den „Physiker” als Abschluss eingeführt, der nach vier Jahren Studium ohne Diplom von der Universität abging. Gedacht war an Laboranten und Ähnliches. Da sich das nicht bewährte – man brauchte solche „ halben” Physiker nicht –, wurde es wieder abgeschafft.
Dankwart Schmidt, per E-Mail DIE SUCHT NACH DER TRAUER
Heft 2/2010
Zu der Feststellung im Kompakt-Kasten – „wie der Mensch trauert, hängt auch davon ab, welche Bindungen er als Kind erlebt hat” – findet sich eine circa 2500 Jahre alte interessante Bestätigung beim alten Chinesen Konfuzius, in „Lun Yu”: „Als Dsai Wo hinausgegangen war, sprach der Meister: ,Yu ist doch lieblos! Ein Kind wird drei Jahre alt, ehe es die Arme von Vater und Mutter entbehren kann. Was die dreijährige Trauerzeit anlangt, so ist sie auf dem ganzen Erdkreis die durchgehende Trauerzeit. Hat denn Yu nicht jene drei Jahre lang die Liebe seiner Eltern erfahren?‘”
Friedemann Schiebe, Aumühle
DEUTSCHLAND SUCHT DIE SUPER-BATTERIE
Heft 2/2010
Ich habe den Eindruck, dass man etwas blauäugig ist, wenn man glaubt, die Probleme bei der Einführung von Elektroautos ohne Weiteres bewältigen zu können.
In Deutschland stellt sich unter anderem das Problem, dass man mehrere Monate im Auto heizen muss. Fakt ist, dass in Hybrid-Autos im Winter der Benzinmotor mitlaufen muss, um Wärme zu liefern. Autos elektrisch zu beheizen, funktioniert eventuell als Sitzheizung – dann kann aber die Batterie bei der Fahrt nicht aufgeladen werden. Die Distanzen, die man ohne Aufladung am Stück zurücklegen kann, schrumpfen dann nochmals erheblich.
Günther Voß, Hamburg
Auch ich würde Elektroauto fahren. Die Fokussierung auf den Pkw-Individualverkehr, die bei diesem Thema üblich ist, ist jedoch viel zu kurz gegriffen. Das globale Transportwesen wird hierbei immer außer Acht gelassen.
Die endlose Lkw-Schlange – elektrisch? Zweifelhaft! Die gigantische weltweite Schifffahrt – elektrisch? Sehr zweifelhaft! Der massenhafte Luftfrachtverkehr – elektrisch? Nie und nimmer! Bei dieser gewaltigen, stetig wachsenden Logistikblase wird man um die Synthese eines Treibstoffs nicht herumkommen. Denn auf diese Blase ist die Weltwirtschaft mindestens so stark angewiesen wie auf die Banken.
Stefan Knöller, per E-Mail
PLACEBO-MEDIZIN
Titelgeschichte Heft 3/2010
Das Thema Placebo/Nocebo dürfte eine sehr hohe Brisanz haben! Aufklärung ist offensichtlich sehr nötig, um nicht von einer Pharmazie- und Lebensmitteldiktatur abhängig zu werden. Wenn man ein vorläufiges Fazit ziehen kann: Die vom Menschen gemachte Chemie macht uns im engeren und weiteren Sinn eher krank. Wenn die Chemie zwischen den Menschen stimmt, so wachsen die Heilungschancen – im engeren und auch im weiteren Sinne.
Jürgen Hülsmann, Edewecht
Zu diesem Thema kurz die aufgeschnappte Anmerkung eines Patienten: „Bei mir hilft Placebo nicht mehr. Ich brauche jetzt Placebo forte.”
Dr. Michael Werner, per E-Mail
FREIE WISSENSCHAFT FÜR ALLE
Heft 3/2010
Mit großem Interesse habe ich diesen Artikel gelesen, der gut über Open Access informiert und alle wesentlichen Aspekte enthält. Schade fand ich nur, dass zum Schluss unter „Mehr zum Thema” nicht auf die Informationsplattform open-access. net hingewiesen wurde. Neben dem allgemeinen thematischen Zugang gibt es auch einen fachspezifischen sowie einen akteurspezifischen Zugang. Sämtliche Informationen sind auf Deutsch und Englisch verfügbar.
Rubina Vock, Institut für Qualitative Forschung in der INA gGmbH an der Freien Universität Berlin
IMMER MEHR KAISERSCHNITTE
medinfo Heft 3/2010
In Ihrer Kurzmeldung wird der steigende Anteil an Kaiserschnitten auf ein zunehmendes Alter der Mütter zurückgeführt. Zumindest in Deutschland dürfte es auch einen gewissen Einfluss haben, dass das Kassenhonorar für eine vaginale Geburt deutlich geringer, aber der zeitliche Aufwand mitunter höher ausfällt.
Dominik Leiner, München
LERNEN FÜR DIE NÄCHSTE SEUCHE / SPRÜNGE IM GEHIRN
Heft 4/2010
Ich bin erstaunt, wie sehr bild der wissenschaft doch seiner Zeit voraus ist. So gibt es bereits ein Foto davon, wie sich Bundesgesundheitsminister Rösler Anfang Dezember 2010 impfen lassen wird (Seite 26). Und im Artikel „Sprünge im Gehirn” auf Seite 37 liest man, dass im „August dieses Jahres” die Frage, ob die springenden Gene auch im Gehirn springen, mit „Ja” beantwortet wird. Christopher Schmidt, per E-Mail
Dass bdw seiner Zeit voraus ist, lassen wir gerne gelten. Aber hier musste es natürlich in beiden Fällen „2009″ heißen. Danke für die Aufmerksamkeit und Entschuldigung! Die Redaktion
DAS UNIVERSUM IST GANZ ANDERS
Titelgeschichte Heft 4/2010
Gratulation zum Titelthema von Rüdiger Vaas! Das Ende des Universums lange vor dem prognostizierten Ende unserer Sonne … Interessant, dass Lord Kelvins berühmte Fehleinschätzung („There is nothing new to be discovered in physics now. All that remains is more and more precise measurement”) sich ins genaue Gegenteil zu verkehren scheint. Gerade die immer präziseren Messungen stellen sämtliche Gewissheiten in Frage.
Peter Uwira, Wien, per E- Mail





