Dido war eine kluge Frau. Sie zerlegte die Kuhhaut durch geschickte Schnitte in einen fadendünnen, sehr langen und zu einem Ring geschlossenen Lederstreifen. Nahe der Küste besaß Iarbas fünf große quadratische Weizenfelder. Das größte dieser Felder hatte eine Seitenlänge von 126 Ruten; die südliche Grenzlinie, die von drei Feldern gemeinsam gebildet wurde, war 266 Ruten lang. An vier Ecken dieser Felder standen vier uralte Olivenbäume, von denen niemand mehr wusste, wer sie gepflanzt hatte. Dido spannte um diese vier Bäume ihren Kuhhautstreifen. Iarbas musste sich eingestehen, dass Dido ihn überlistet und mehr auf eine Kuhhaut passte, als er erwartet hatte. Zähneknirschend überließ er ihr das große viereckige umspannte Stück Land. Dido nahm es in Besitz und ließ darauf die Burg Byrsa bauen.
In den folgenden Jahren kamen viele Phönizier aus dem Land ihres Bruders über das Mittelmeer und gründeten rund um die Burg die Stadt Karthago. Und Dido wurde die erste Königin der Stadt. Iarbas aber sann in vielen schlaflosen Nächten darüber nach, wie er sein Land zurückgewinnen könnte. Schließlich suchte er Hilfe beim Orakel des Ammon in der Oase Siwa. „Nimm sie zur Frau“, riet ihm das Orakel. Dido war nicht nur eine kluge, sondern auch eine schöne Frau. Iarbas wäre darum liebend gern dem Rat des Orakels gefolgt, doch Dido hatte ihrem sterbenden Mann bei den Göttern ewige Treue geschworen. „Heirate mich, oder ich werde Karthago vernichten“, drohte Iarbas. Um ihrem Mann und auch ihrem Volk die Treue zu halten, opferte sich Dido selbst. Sie ließ auf der Burg Byrsa einen Scheiterhaufen errichten, angeblich um die Festlichkeiten zu ihrer Hochzeit zu eröffnen, empfahl sich den Göttern und sprang in die Flammen. Die Unsterblichen nahmen ihr Opfer an und zwangen Iarbas, Kathargo zu verschonen. Didos Körper verbrannte zu Asche, aber ihre Stadt beherrschte noch jahrhundertelang das Mittelmeer.
Auch Didos Verfahren, eine Kuhhaut zu einem langen Lederring zu zerschneiden, ist nie in Vergessenheit geraten. Noch heute, Jahrtausende später, verwenden es Kinder auf der ganzen Welt, um ein Loch so in eine Postkarte zu schneiden, dass sie selbst hindurchschlüpfen können. Doch das ist eine andere Geschichte, und sie soll ein anderes Mal erzählt werden.
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