Der Wetterbericht im Fernsehen hat es angekündigt: Mit Sonnenschein und angenehmen Wohlfühltemperaturen wird es spätestens morgen vorbei sein. Und tatsächlich ziehen schon in der Nacht Wolken auf, der Wind wird stärker, am Ende ist alles grau in grau. Ein typischer Wetterumschwung, der vielen Menschen aufs Gemüt schlägt: Sie bekommen schlechte Laune und haben kaum Lust, nach draußen zu gehen.
Bei manchen Menschen scheinen die meteorologischen Veränderungen sogar körperliche Beschwerden auszulösen, etwa Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit. Solche Symptome fasst man unter dem Begriff „Wetterfühligkeit“ oder mit dem Fachausdruck „Biotropie“ (auch „Meteoropathie“) zusammen. Dabei lassen sich zwei Formen unterscheiden: die „Wetterempfindlichkeit“ bei bestehenden Vorerkrankungen und die „Wetterfühligkeit“ im engeren Sinne. Unter letzterer versteht man, dass Menschen klimatische Umschwünge schon spüren, bevor diese überhaupt eintreffen. Doch während die körperliche und psychische Anfälligkeit meteorologischen Veränderungen gegenüber bei gesundheitlich angeschlagenen Menschen allgemein anerkannt ist, scheiden sich bei der Vorfühligkeit die Geister: Einige Wissenschaftler lehnen sie als pure Einbildung rundweg ab, andere bieten dafür mehr oder weniger plausible Erklärungen an und weisen als Beleg für die tatsächliche Existenz des Phänomens darauf hin, dass die Unfallhäufigkeit laut Verkehrsstatistik bei aufziehenden Gewittern um über sieben Prozent und bei einem Wechsel von kühler zu feuchtwarmer Luft sogar um neun Prozent steigt.
Widersprüchliche Studien
Im Jahr 2013 befragte das Institut für Demoskopie Allensbach im Rahmen einer umfangreichen, vom Deutschen Wetterdienst in Auftrag gegebenen Studie 1623 Bundesbürger zu diesem Thema. Dabei äußerte rund die Hälfte der Befragten die Überzeugung, das Wetter habe auf ihre Gesundheit einen spürbaren Einfluss. Am häufigsten wurden folgende Symptome genannt: Kopfschmerzen und Migräne (59 Prozent), Müdigkeit (55 Prozent), Abgeschlagenheit (49 Prozent), Gelenkschmerzen (42 Prozent) sowie Schlafstörungen (40 Prozent). 29 Prozent – und damit fast ein Drittel der Befragten – gaben sogar an, im Jahr vor der Befragung mindestens einmal witterungsbedingt nicht in der Lage gewesen zu sein, ihrer normalen Tätigkeit nachzugehen.
Bemerkenswert ist dabei, dass Frauen deutlich heftiger auf Wetterumschwünge reagieren als Männer, ebenso ältere ausgeprägter als junge Menschen. Außerdem haben biometeorologische Untersuchungen ergeben, dass labile Personen mit pessimistischer Grundeinstellung, geringer Frustrationstoleranz und Kontaktschwierigkeiten heftiger auf Wetterphänomene reagieren als selbstbewusste, ausgeglichene Mitmenschen.
Die Studienlage zur „Wetterfühligkeit“ ist allerdings nicht eindeutig. Und es fällt auf, dass sämtliche Literatur zu dem Thema aus dem deutschsprachigen Raum stammt. In den meisten anderen Ländern gibt es für das Phänomen nicht einmal ein eigenes Wort. Dennoch ist die Biotropie nach Ansicht etlicher Experten keine Einbildung. „Auch wenn die kausalen Zusammenhänge noch nicht abschließend geklärt sind, haben dies zahlreiche Studien belegt“, betont Andreas Matzarakis vom Zentrum für medizin-meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg. „Krank macht allerdings nicht das Wetter selbst. Vielmehr greift es nur bereits vorhandene Schwachstellen an. Ein Wetterumschwung wirkt bei solchen Menschen wie ein zusätzlicher belastender Faktor, der das Fass zum Überlaufen bringt. Nicht das Wetter an sich ist also an der Krankheit schuld, vielmehr verstärken bestimmte atmosphärische Bedingungen die schon vorhandenen Symptome.“





