… steckt unter dem Talar der Universität Greifswald. Seit 1990 wird der prächtige spanische Radmantel nach alter Tradition wieder vom Rektor zu Feierlichkeiten getragen. Weil der Zahn der Zeit immer unbarmherziger an dem Gewand nagt, schrieb Dr. Birgit Dahlenburg (39), Kustodin des wertvollen Kunstschatzes der Universität, 1996 einen Wettbewerb für Modedesigner aus:
Gesucht wurde ein neuer Talar, der einen schlichten, modernen Kontrapunkt zur Pracht des fast 400 Jahre alten Mantels des Stralsunder Perlenstickers Henrich Möller setzt. Der Vorgabe am nächsten kam der Entwurf der Nürnberger Kunststudentin Martina Ziegenthaler, die zum neuen Gewand gleich noch Untertalare entwarf – auch für eine mögliche Rektorin. Getragen wurde das mit dem pommerschen Greif verzierte Ensemble erstmals vom Rektor der Universität zur feierlichen Immatrikulation der neuen Studenten im Oktober.
“Das Tragen von Talaren ist Zeichen der wiedergewonnenen Autonomie der Universitäten in den neuen Bundesländern”, freut sich Birgit Dahlenburg. Während die Talare an den meisten Universitäten in Westdeutschland dem Sturm der 68er zum Opfer fielen, sorgte in der DDR Volksbildungsministerin Margot Honecker 1969 für das Ausmerzen der “reaktionären” Tradition. Nach der Wende besannen sich viele Ost-Universitäten auf den feierlichen Brauch und führten die alte Kleiderordnung wieder ein.
Auch wenn das Talartragen in Mode kommt – der Muff von 1000 Jahren ist weg: Selbst Alt-68er bedauerten inzwischen, zur Abschaffung der schönen Tradition beigetragen zu haben, gesteht Dahlenburg mit Schmunzeln. bm
Birgit Dahlenburg





