Mit dem Leben in Dörfern begannen vermutlich auch die ersten Kriege. Das legen archäologische Untersuchungen frühester Gemeinschaften in Mexiko nahe. Selbst die ältesten Dörfer weisen demnach bereits Anzeichen von Schutzvorrichtungen auf, berichten amerikanische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift “PNAS” (Online-Vorabveröffentlichung vom 15. September).
Kent Flannery und Joyce Marcus vom Museum für Anthropologie der Universität Michigan in Ann Arbor untersuchten die Überreste verbrannter Palisadenpfähle von mexikanischen Fundstellen im Tal von Oaxaca auf ihr Alter. Mit so genannten Radiokarbonmethoden fanden die Forscher heraus, dass die ältesten ehemaligen Schutzwälle mehr als 3.000 Jahre alt sind. Über das Tal verstreut entdeckten sie auch für die folgenden tausend Jahre immer wieder Hinweise auf defensive Strukturen.
Somit gab es Schutzvorrichtungen und damit vermutlich auch den Beginn kriegerischer Auseinandersetzungen bereits nur wenige Jahrhunderte nachdem das Dorfleben begonnen hatte. Nomaden dagegen, die diese sozialen Unterschiede nicht hatten, gingen friedlicher miteinander um. Dies lässt vermuten, dass sich Dorfgesellschaft und organisierte Gewalt gleichzeitig entwickelten, schreiben die Anthropologen.
Zwar sind Kriege häufig aus vielen Gesellschaften geschichtlich gut überliefert, doch bislang waren Forscher nicht in der Lage zu erklären, wann genau und warum sich ein Krieg entwickelte. Einer Theorie zufolge tritt organisierte Gewalt in Gruppen, die keine soziale Aufspaltung haben, nur selten auf. Dagegen kommt sie wahrscheinlicher in Gebieten mit zahlreichen Ressourcen vor, in denen die Bevölkerung in verschiedene Teile gespalten ist. Mit ihren Untersuchungen der Schutzvorrichtungen verschiedener Fundstätten liefern Flannery und Marcus auch Daten, die diese Hypothese bestätigen.
Cornelia Pfaff





