von DAVID NEUHÄUSER
Vor rund 7.500 Jahren begannen Menschen in Mitteleuropa mit Ackerbau und Viehzucht. Die frühneolithischen Siedler fanden hier ideale Lebensbedingungen vor: ein gemäßigtes Klima, Reichtum an Ressourcen und vor allem fruchtbare Böden – genauer gesagt Lössböden, die sich durch ihre hohe Wasserspeicherkapazität auszeichnen und zuverlässig gute Ernten liefern. Noch lebten die Menschen nicht in Dörfern zusammen, die Regel waren einzelne Behausungen.
Eine große Einwanderungswelle um 2800 v. Chr., bei der Steppenvölker aus dem kaspisch-pontischen Raum nach Europa vordrangen, veränderte die Bevölkerungsstruktur grundlegend. Auch in den Ebenen des heutigen Sachsen-Anhalt fassten diese Einwanderer Fuß. Unter anderem an der Stelle, an der heute Pömmelte liegt – ein Ortsteil der Kleinstadt Barby im Salzlandkreis. Dort errichteten sie ihre Häuser und stellten ihre charakteristische Keramik her, die Archäologen noch heute finden können. Auch einen Kultplatz dieser sogenannten Schnurkeramischen Kultur gab es dort bereits. Dabei handelte es sich allerdings noch nicht um ein Ringheiligtum.
Dieses entstand erst im Zuge der nächsten großen kulturellen Veränderung in der Region, bedingt durch die Ankunft der sogenannten Glockenbecherleute. Wie die Schnurkeramische Kultur erhielt diese Gruppe von Menschen ihren Namen aufgrund des charakteristischen Stils ihrer handwerklichen Erzeugnisse. „Das wichtigste Merkmal der Neuankömmlinge sind die namensgebenden Glockenbecher – S-förmig geschwungene Becher, die, wenn man sie auf den Kopf stellt, Glocken ähneln“, erklärt André Spatzier, Fachreferent für Metallzeiten am Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart. „Die markanten Becher dieser Zeit tragen auch eine ganz spezifische Verzierung, die zwar regionale Ausprägungen entwickelt, die aber eben auch sehr weitläufige geographische Verbreitungen zeigt, von der iberischen Halbinsel bis nach Großbritannien.“
Wie DNA-Analysen zeigen, war es auch hier wieder eine größere Wanderungsbewegung, die dem heutigen Pömmelte um das Jahr 2400 v. Chr. diese neuen Siedler brachte. Zu einer Zeit, in der es in Mitteleuropa noch keine Dörfer im späteren Sinne gab, entstand hier eine vergleichsweise große Siedlung von Glockenbecherleuten – die größte ihrer Art in Mitteldeutschland. Archäologen fanden zwischen 2018 und 2022 um die 140 Hausgrundrisse, bei denen allerdings oft nicht eindeutig zu rekonstruieren ist, welche von ihnen parallel und welche mit zeitlichem Abstand zueinander genutzt wurden.
Zum beeindruckendsten Teil der Siedlung sollte jedoch das gewaltige Ringheiligtum werden, das die Siedler ab etwa 2350 v. Chr. errichteten. Es umfasste sieben konzentrische Ringe aus Pfosten und Gräben mit einem Gesamtdurchmesser von 115 Metern – gebaut nicht im Zuge einer einzigen, kolossalen Bauanstrengung, sondern in mehreren Phasen. „Was wir nachvollziehen können, ist, dass diese Ringe nicht alle zeitgleich gebaut wurden, auch wenn es bezüglich des Errichtungszeitpunktes der einzelnen Ringe Datierungsunschärfen gibt,“ so Spatzier, der selbst die Ausgrabungen des Ringheiligtums geleitet hat. „Man kann aber anhand der geometrischen Aufteilung gut erkennen, dass der Ringgraben am exaktesten einem Kreis entspricht. Deswegen liegt die Vermutung nahe, dass dieser Ring als erster angelegt wurde. An dem hat man sich dann vermutlich orientiert, als man sowohl die äußeren als auch die inneren Ringe angelegt hat.“ Vor dem Bau eines neuen Ringes könnte dieser möglicherweise rituell mit einem Pflug vorgezeichnet worden sein.





